LICHTENFELS

Das erste Buch des Lichtenfelsers Markus Häggberg

„Bleiben Sie schön negativ!“: So doppeldeutig wie der Buchtitel sind viele Einträge des Corona-Tagebuchs von Markus Häggberg. Ideengeber für das seit März im OT erscheinende Tagebuch und das daraus resultierende Buch ist der Mann im Hintergrund, Udo Langer. Foto: Annette Körber

Es ist eigentlich kein gutes Gefühl. Man steht unter der Dusche, seift sich ein und spürt dabei einen Knubbel am linken Bein. Und der Knubbel entpuppt sich als Zecke, die sich festgebissen hat. Gar nicht gut, schon gar nicht, wenn der Biss einen Ring hat. Die erste Reaktion wäre jetzt wohl normalerweise Erschrecken, die zweite der Gedanke an den Arzt. Nicht so bei Markus Häggberg.

Dem ist das passiert, als er gerade über seinem nächsten Corona-Tagebuch-Eintrag grübelte. „,Siehste mal‘, dachte ich mir, ,sobald du unter die Dusche gehst, findest du dein Thema.‘“ Und schon schmunzelt der Leser.

Seit April ist auf der OTverbindet-Seite das „Corona-Tagebuch“ zu finden, kurze Episoden aus Häggbergs Leben, Beobachtungen, eigene wie fremde Erlebnisse und Gedankengänge, immer mit einer gewissen Leichtigkeit und einem Augenzwinkern beschrieben und mit einer Pointe am Schluss. Und jetzt, pünktlich kurz vor Weihnachten, gibt es unter dem doppeldeutigen Titel „Bleiben Sie schön negativ!“ eine Auswahl in Buchform.

„Ich glaube, dass wir von Geschichten umgeben sind. Es ist nur die Frage, ob wir sie sehen oder nicht.“
Markus Häggberg, Journalist und Autor

Der Anstoß zum Corona-Tagebuch kam von Udo Langer, dem Burgkun-stadter Musiker, Komponisten und Werbegrafiker, mit dem Markus Häggberg eng befreundet ist. „Wir haben eine Pandemie, die Leute haben schlechte Laune, da muss man was dagegensetzen“, war Langers Ansatz. Daraus entstand dann das Corona-Tagebuch. Im Obermain-Tagblatt, wo OT-Redakteur Till Mayer gerade das Konzept für die OTverbindet-Seite entwickelte, stieß er damit auf offene Ohren.

Dass das Obermain-Tagblatt jetzt ein Buch dazu herausgibt, war ebenfalls Langers Idee. Er hat auch die Illustrationen dazu beigesteuert, Miniaturen in Schwarz-Weiß, Skizzen, mal nur ein Schnuller, mal ein Mann mit Plakat in der Fußgängerzone. So pointiert wie die zugehörigen Geschichten und ebenso leicht hingeworfen. Zumindest wirkt es so. Aber es ist ja bekannt, dass es besonders schwer ist, etwas leicht wirken zu lassen.

Udo Langer ist selbst begeistert von den Werken seines Freundes, die immer gleich beginnen, nämlich mit der Einleitung „Liebes Corona-Tagebuch“. Er nennt Markus Häggberg einen Geschichtenfänger: „Wir waren zusammen in Österreich. Da steh' ich im Hotel am Empfang, checke ein, und er kommt derweil mit jemandem ins Gespräch und hat schon wieder die nächste Geschichte.“

Und die sind oft so amüsant, skurril oder abstrus, dass man sich unwillkürlich fragt, wie er das schafft, beim ersten Small Talk gleich so etwas herauszulocken. So wie die Geschichte von Art Garfunkel, der vor einem Auftritt unbedingt ein Bügelbrett haben wollte – um seine Socken zu bügeln. Eine der Lieblingsgeschichten von Udo Langer übrigens, im Buch enthalten unter dem Titel „Der häusliche Weltstar“.

Gute Beobachtungsgabe und der Blick fürs Besondere

„Ich glaube, dass wir von Geschichten umgeben sind“, sagt Markus Häggberg selbst dazu. „Es ist nur die Frage, ob wir sie sehen oder nicht.“ Er sieht sie, dank einer guten Beobachtungsgabe, einem Blick fürs Besondere und – und das ist wohl das Wichtigste – einem großen Interesse an seinen Gesprächspartnern: „Menschen sind Anfang und Ende einer Geschichte, wir alle sind Teil davon.“ Und deshalb hat der 49-jährige Lichtenfelser sein Notizbuch immer dabei.

Als er es dann doch mal verlor, hat es nicht lange gedauert, bis sich eine Leserin beim Obermain-Tagblatt gemeldet hat: Sie hatte das Büchlein gefunden, richtig zugeordnet und wollte es nun in der Redaktion abgeben, damit es wieder seinem rechtmäßigen Besitzer übergeben werden könne. Auch so eine Geschichte, die Häggberg in Form eines Tagebuch-Eintrags verarbeitet hat. Sie ist allerdings erst kürzlich passiert und hat es deshalb nicht mehr ins Buch geschafft.

„Das sind so Geschichten, die lassen einem das Herz aufgehen.“
Udo Langer, Musiker, Komponist, Grafiker

Und ja, mittlerweile wird der Autor auf der Straße erkannt, sein Gesicht ist schließlich täglich in der Zeitung. Sicher gibt es deswegen mittlerweile auch Leute, die in seiner Gegenwart aufpassen, was sie sagen. Udo Langer behauptet das von sich – und lacht. Der Freund hat schon etliche Anekdoten beigesteuert, die zur Grundlage für Tagebuch-Einträge wurden.

So sieht Freude aus: Markus Häggberg mit seinem ersten Buch. Foto: Annette Körber

Beide berichten von einer Menge positiver Resonanz. „Ich kenne viele, die das unbedingt jeden Morgen zu ihrem Kaffee brauchen“, sagt Langer. Bei Häggberg landet Lob in schriftlicher Form im Briefkasten oder im E-Mail-Postfach. Oder er wird direkt darauf angesprochen. Einmal ist daraus sogar schon eine spontane Lesung entstanden, da er zufällig seinen Laptop dabei hatte. Der Autor lächelt. „Das war eine schöne Runde“, erinnert er sich.

Und wer steckt hinter Werner, Elke oder Barbara?

Andere rätseln, wer hinter den Namen Werner, Elke oder Barbara steckt, von denen er da so amüsante Geschichten erzählt. Der Autor hält sich bei Nachfragen bedeckt. „Das macht's auch aus: Das ist Lokalgeschichte, das würde in München so nicht funktionieren“, ist sich Häggberg sicher, der seine humoristischen Wurzeln bei Monty Python und Woody Allen, Loriot und Georg Kreisler, Gerd Polt und Harald Schmidt verortet.

Sein Blick auf die Welt bleibt ein positiver, ist er doch einer, der selbst in einem Zeckenbiss noch etwas Gutes findet. Oder, um mit Udo Langer zu sprechen: „Das sind so Geschichten, die lassen einem das Herz aufgehen. Und wenn das Herz berührt wird, dann passt's.“

„Bleiben Sie schön negativ! Aus den Corona-Tagebüchern des Obermain-Tagblatts“ von Markus Häggberg. Mit Skizzen von Udo Langer. Herausgegeben vom Obermain-Tagblatt. Tagebuch, 96 Seiten, 12,90 Euro. Das Buch ist ab Montag zu haben in der Geschäftsstelle des Obermain-Tagblatts in Lichtenfels, in der Buch- und Papierhandlung Geis in Burgkunstadt, Michelau und Bad Staffelstein, in Löppert's Lädchen in Weismain, im Drehpunkt in Redwitz, im „Fränkischen Hof“ in Baiersdorf und in der Buchhandlung Dumproff in Lichtenfels.

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