LICHTENFELS

CSU verliert sieben Prozent bei der „Kanzlerstimme“

„Zweitstimme ist Kanzlerstimme.“ Geht man nach dieser Politiker-Weisheit, dann hat der gemeinsame Kandidat von CDU und CSU, Armin Laschet, im Stimmkreis 240 Kulmbach-Lichtenfels einen Schiffbruch erlitten. Nur 36,7 Prozent machten in der rechten Spalte des Wahlzettels bei den Christsozialen ihr Kreuzchen, über sieben Prozent weniger als vor vier Jahren, als noch Angela Merkel kandiert hatte.

Elf Prozent Differenz zwischen Erststimmen und Zweitstimmen

Sieben Prozent? Hört sich im ersten Moment nach nicht so viel an, doch blickt man auf die gut 47,8 Prozent, die Direktkandidatin Emmi Zeulner auf sich vereinigen konnte, dann fällt einem die Differenz von über elf Prozent durchaus ins Auge. Dieser Unterschied hat natürlich auch bei der alten und neuen Bundestagsabgeordneten für wenig Begeisterung gesorgt. „Mit Markus Söder würden wir anders dastehen“, sagte sie darum auch enttäuscht auf ihrer Wahlparty am Sonntagabend.

Doch wo haben die Emmi-Wähler und Armin-Verweigerer ihr zweites Kreuzchen gemacht? Blickt man auf die Unterschiede zwischen Erst- und Zweitstimmen-Ergebnissen, fallen vor allem die Resultate bei Claus Ehrhardt (FDP, 4,75 Prozent) und der Zweitstimmen-Anteil der Liberalen von 8,35 Prozent auf. Aber auch die Kanzlerstimmen für die SPD liegen mit 19,8 Prozent um über drei Zähler über dem Ergebnis von Simon Moritz (16,2 Prozent). Bei allen anderen Kandidaten und deren Parteien liegen Erst- und Zweitstimmen-Ergebnis jeweils recht eng beieinander.

Ihr bestes Ergebnis im gesamten Stimmkreis hat Emmi Zeulner übrigens in Wattendorf (Landkreis Bamberg) geholt, hier kam sie auf 70,5 Prozent. Dagegen kam sie in Neudrossenfeld (Landkreis Kulmbach) nur auf 36,8 Prozent. Überhaupt musste sie sich im Landkreis Kulmbach mit 44,3 Prozent begnügen, während sie im Landkreis Lichtenfels 47,8 Prozent erhielt. Hier hat die CSU-Kandidatin ihre Hochburg in Weismain mit 64,8 Prozent, derweil sie sich in Redwitz mit 47,7 Prozent begnügen musste.

Simon Moritz konnte besonders im Landkreis Kulmbach punkten, wo er 20,8 Prozent der Erststimmen gewonnen hat (Landkreis Lichtenfels: 14,2 Prozent). Sein bestes Resultat erhielt der Sozialdemokrat in seiner Heimatstadt Kulmbach mit 25,85 Prozent, im Landkreis Lichtenfels gewann er in Redwitz mit 23 Prozent am höchste Stimmenzahl. Dagegen gab es für den 37-Jährigen in Stadelhofen (Landkreis Bamberg) nur 5,04 Prozent der Erststimmen, im Landkreis Lichtenfels machten in Weismain mit 8,23 Prozent die wenigsten Wähler ihr Kreuzchen bei ihm.

AfD-Hochburg im Wahlkreis 240 ist Viereth-Trunstadt

Am drittbesten schnitt Theo Taubmann mit 10,57 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis ab. Im Landkreis Lichtenfels holte der Weismainer 10,6 Prozent, im Landkreis Kulmbach machten mit 9,07 Prozent etwas weniger Wähler ihr Kreuzchen beim AfD-Bewerber. Seine Hochburg hat Taubmann in Viereth-Trunstadt (Landkreis Bamberg), wo 15,34 Prozent der Stimmberechtigten für ihn votierten. Dagegen gaben nur 6,65 Prozent der Wählerinnen und Wähler aus Thurnau dem AfD-Mann ihre Stimme. Im Landkreis Lichtenfels hat er in Altenkunstadt mit 13,09 Prozent die meisten Wählerinnen und Wähler überzeugen können, dagegen begeisterte er nur 8,68 Prozent der Stimmberechtigten in Bad Staffelstein.

Auf Rang vier landete der Kandidat der Freien Wähler, Jochen Bergmann, der im gesamten Wahlkreis auf 7,65 Prozent der Stimmen kam. In seinem Heimatlandkreis Kulmbach erreichte der Freie Wähler 9,16 Prozent, im Landkreis Lichtenfels 6,8 Prozent. In Neudrossenfeld, seiner Heimatgemeinde im Landkreis Kulmbach, votierten beeindruckende 25,43 Prozent für den Polizisten. Dagegen musste er sich in Gerach im Landkreis Bamberg mit 3,83 Prozent begnügen. Im Bereich Lichtenfels erzielte er in Hochstadt mit 9,79 Prozent sein bestes Resultat, wohingegen er in Marktgraitz nur auf 5,36 Prozent kam.

Auf 7,45 Prozent der Wählerinnen und Wähler im Wahlkreis 240 kam der Direktkandidat der Grünen, der Kulmbacher Dr. Martin Pfeiffer (Landkreis Kulmbach: 7,43 Prozent; Landkreis Lichtenfels: 6,6 Prozent). Sein bestes Ergebnis gelang ihm in Litzendorf (Landkreis Bamberg), wo 12,21 Prozent für ihn stimmten, am wenigsten Kreuzchen gab es dagegen in Wattendorf mit 2,08 Prozent. Im Landkreis Lichtenfels erwies sich für ihn Bad Staffelstein mit 8,49 Prozent als „Hochburg“, derweil es in Weismain mit 3,83 Prozent für den Grünen nicht viel zu holen gab.

Bleibt noch Claus Ehrhardt, der Bewerber um das Direktmandat der FDP. Für ihn votierten im Wahlkreis 4,75 Prozent – jeweils rund 4,1 Prozent in den Landkreisen Lichtenfels und Kulmbach. Die liberale Hochburg war die Gemeinde Bischberg (Landkreis Bamberg) mit 6,92 Prozent, in der Stadt Kupferberg (Landkreis Kulmbach) überzeugte der FDP-Mann allerdings nur 2,5 Prozent der Wahlberechtigten. Marktzeuln mit 4,89 Prozent und Weismain mit 3,16 Prozent waren im Landkreis Lichtenfels für ihn das beste und das schlechteste Pflaster.

Für kleine Parteien gibt es nicht viel zu holen

Unter ferner liefen dagegen die Direktkandidaten der übrigen Parteien. Ludwig Baumgartner (Die Linke) musste sich mit lediglich 1,79 Prozent begnügen. Der gebürtige Bad Staffelstein Sven Goller (Die Partei) errang 1,43 Prozent. Mit 1,28 Prozent folgte Otto Gebelein (Die Basis). Nicht einmal zu einem Prozent der Stimmen reichte es für Kay-Uwe Zenker (ÖDP; 0,64 Prozent) und Gunther Sedlmeyer (BP; 0,45 Prozent).

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