ROTH

Corona und ein grauer Quader: Rother Schule im Container

Corona, Videos und ein grauer Quader: Schule im Container
Die Grundschule Lichtenfels im Leuchsental in Roth hat einen Container als Unterrichtsraum – für voraussichtlich drei bis vier Jahre. Foto: Corinna Tübel

Unter den bunten Masken deutet sich ein breites Grinsen an: Schulschluss für die Kinder der Grundschule Leuchsental in Roth. Doch einige von ihnen kommen nicht aus dem freundlich gelben Schulgebäude, sondern aus einem Container – lachend.

Wann der Neubau neben dem Feuerwehrhaus in Roth fertig ist, ist noch ungewiss. Schulleiterin Yvonne Kern geht davon aus, dass sie frühestens in drei bis vier Jahren mit ihren Schülern umziehen darf. Bis dahin findet ein Teil des Unterrichts in einem Container neben dem Schulgebäude „Am Büschlein“ statt. Der zweite „Standort“ in Oberlangheim wurde im Sommer 2019 geschlossen.

Derzeit beherbergt der graue Quader die dritte Klasse. Dass er „gebraucht“ ist, sieht man ihm nicht an. Dafür wurde er vor seinem Einsatz im September vergangenen Jahres auch renoviert. Ein separater Container, dessen Übergang zum Klassenzimmer überdacht ist, beherbergt die Toiletten.

Basteleien und ein helle Räume statt Container-Flair

Der große Klassenraum besteht aus fünf Containermodulen, deren Zusammenschluss man nur an feinen Übergängen an der Wand erkennen kann. Die Garderobe befindet sich in einem weiteren Baustein, der ebenso hell und lichtdurchflutet ist wie der Nachbarraum und sogar als kleiner Gruppenraum genutzt werden könnte.

Corona, Videos und ein grauer Quader: Schule im Container
Yvonne Kern, Schulleiterin der Grundschule Lichtenfels im Leuchsental in Roth, sieht wenig Nachteile im vorübergehenden ...

An den Wänden hängen Basteleien und Gemälde der Schüler. In einer Ecke liegen zusammengerollte Teppiche und Kissen. Auch das wäre ein übliches Areal für den Morgenkreis – wäre da nicht die Corona-Krise, die solche „engen“ Aktivitäten zurzeit nicht zulässt. Von jedem der weit auseinander gestellten Einzeltische aus haben die Kinder einen guten Blick zur elektronischen Tafel.

„So ein Container hat keinerlei Nachteile. Er hat alle Funktionen, die auch ein Klassenzimmer hat.“
Yvonne Kern, Schulleiterin
Corona, Videos und ein grauer Quader: Schule im Container
Das Klassenzimmer im Container der Grundschule Lichtenfels im Leuchsental in Roth ist groß, hell und mit allem ausgestat...

„So ein Container hat keinerlei Nachteile. Er hat alle Funktionen, die auch ein Klassenzimmer hat – von der Heizung über die Rollläden und die gesamte Ausstattung“, erklärt Yvonne Kern. Eine Dauerlösung wäre das aber nicht: „Moderne Konzepte, wie zum Beispiel differenzierte Lernlandschaften, würden hier nicht funktionieren.“ Sie freut sich sehr auf den Neubau der Schule und zeigt sich der Stadt Lichtenfels gegenüber dankbar, dass sie solch ein Projekt umsetzt.

Die Eltern seien von dem Container begeistert. Und die Mädchen und Jungen? Sowieso. „Die Kinder lieben ihren Container.“ Auch die Oberlangheimer Drittklässler, die heuer ein „Heimspiel“ gehabt hätten.

Viele Jahre lang hatte das dortige Gebäude eine einzelne Klasse, meist die dritte oder vierte, beherbergt. Seit dem Schuljahr 2019/20 findet der gesamte Unterricht der Grundschule in Roth statt – mit Hilfe des kleinen Containerkomplexes. „Oberlangheim als Standort war keine eigene Schule, sondern vielmehr ein einzelnes Klassenzimmer mit einem Turnraum im Keller, der nur 2,25 Meter hoch war“, so die Rektorin. „Viele Leute haben im Laufe der Jahre den Raum zwar sehr schön hergerichtet, aber auf Dauer war das keine Lösung mehr.“

Die „Oberlangheimer Klasse“ hat in der Schulgemeinschaft gefehlt

Zum einen habe die einzelne Klasse in der Schulgemeinschaft immer gefehlt. Für Spaziergänge, spontane Aktionen oder kurze Bauernhofbesuche im Ort mussten die Schüler immer erst mit dem Bus nach Roth befördert werden, anschließend wieder zurück. Ebenso für spezifische Unterrichtssequenzen in Werken und Gestalten, zum Beispiel mit Ton oder Holz. Auch die Tutorenarbeit der Viertklässler für die neuen Erstklässler konnte von den „Oberlangheimern“ etwa nicht ausgeübt werden.

An vier Tagen Präsenzunterricht, am fünften „Home-Schooling“

Zum anderen hatte die alleinige Lehrkraft in Oberlangheim die komplette Verantwortung für die Klasse. „Wenn der Kollege mal krank war, was zum Glück selten vorgekommen ist, mussten wir auf die Schnelle von Roth aus einen Ersatz organisieren, selbst nach Oberlangheim fahren oder die Kinder hierher transportieren lassen, um sie auf die anderen Klassen aufzuteilen. Da war dann schnell mal die erste Stunde vergeudet“, blickt Yvonne Kern zurück.

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Die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Lichtenfels im Leuchsental in Roth haben „ihren“ Container mit Basteleien g... Foto: Corinna Tübel

Für die Organisation habe sich die neue Nähe bewährt – vor allem auch während der Corona-Krise. Bewusst hat sich die Schulleiterin mit ihrem Team und in Abstimmung mit dem Schulamt und dem Elternbeirat für ein „Zwei-Schicht-System“ entschieden: Die Mädchen und Jungen besuchen an vier Tagen in der Woche den Präsenzunterricht – aufgeteilt in zwei Gruppen pro Klasse. Die einen werden frühmorgens unterrichtet, die anderen treffen am späten Vormittag ein. Zwischendurch werden die Räume desinfiziert, die Toiletten vorher zusätzlich geputzt. Am Nachmittag findet dann eine Gesamtreinigung statt.

Am fünften Tag wird im „Home-Schooling“ der Lernstoff mit digitalen oder Kreativangeboten vertieft. Auf diese Weise erleben die Kinder eine Routine und haben durch die kleinen Gruppen von sieben bis zehn Schülern keine Lernrückstände in den Hauptfächern.

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Einzeltische im Unterricht in Zeiten der Corona-Krise: So auch in der Grundschule Lichtenfels im Leuchsental in Roth. Foto: Corinna Tübel

Kreative und unkonventionelle Wege als Chance in der Krise

Von zu vielen Kopien und reiner „Zettelwirtschaft“ hat die Grundschule Lichtenfels im Leuchsental zu Beginn der Corona-Krise bewusst Abstand genommen: „Alle vier Klassenlehrer haben sich auf die digitalen Angebote eingelassen, schon früh mit den Schülern geskypt, eigene Lernvideos erstellt, Videokonferenzen angeboten und einfach kreative und unkonventionelle Wege als Chance in der Krise genutzt“, freut sich Yvonne Kern. Auch von der Zusammenarbeit mit den Eltern zeigt sie sich begeistert. Eines der Hilfsmittel, eine gemeinsame Schul-Cloud, soll auch nach der Corona-Krise für Kommunikation, Organisation und Datenaustausch genutzt werden.

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Auch das Klassenzimmer im Container ist mit modernen elektronischen Tafeln ausgestattet, erklärt die Schulleiterin der G... Foto: Corinna Tübel

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