LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Zumindest ist er jetzt sauber

Markus Häggberg. Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch für OTverbindet. Heute geht es darum wie er zu einem sehr sauberen Menschen wird.

„Liebes Corona-Tagebuch, unter der Dusche wusste ich es noch. Wenn man sich nämlich ausdauernd einseift, dann kommen so Dinge hoch. Erinnerungen beispielsweise.

Es ging um etwas Lustiges, das unbedingt in dich, liebes Corona-Tagebuch, gehört. Aber leichtfertig verließ ich mich unterm Einseifen darauf, dass ich es auch beim Abtrocknen noch erinnern würde. Doch als es soweit war, konnte ich rubbeln, wie ich wollte, ich kam einfach nicht mehr auf den Vorfall. Also rief ich einen Kumpel an und fragte ihn, welche Techniken er zur Gewinnung verschütteter Erinnerungen nutze, und er sagte mir, dass ich es mit Wiederholung versuchen sollte. Wenn ich den Duschvorgang 1:1 wiederholen würde, bestünde eine echte Chance darauf, dass die Erinnerung auch 1:1 wieder anklopft, riet er mir.

Das schien mir vernünftig, und so hüpfte ich abermals unter die Dusche und begann damit, mich ausdauernd einzuseifen. Dann kamen wieder so Dinge hoch, beispielsweise Erinnerungsfetzen an das, was mir in der vergangenen Nacht so träumte. Es drehte sich um eine riesige Dose Heinz-Bohnen, aber das war nicht lustig, sondern einfach nur lecker, denn offenbar lässt sich eine Bohnensuppe mit Spiegelei überbacken. Zumindest im Traum. Als ich beim ausgiebigen Einseifen am Unterschenkel (links) angekommen war, musste ich resigniert zugeben, dass sich die gesuchte Erinnerung doch nicht wieder eingestellt hatte. Ich trocknete mich also ab, wobei ich pro forma noch ausgiebig das Rubbeln berücksichtigte. Immerhin hätte sich die Erinnerung ja doch noch besinnen und herbeikommen können. Doch nix da, sie blieb aus.

So griff ich zum Hörer und rief meinen Kumpel abermals an. Jetzt machte ich ihm natürlich heftige Vorwürfe (fühlte sich echt gut an), weil sein Rezept nichts taugte. Doch er fragte mich, ob ich beim zweiten Duschen wirklich so wie beim ersten Duschen geduscht hätte. Ich bejahte, und dann blieb es lange still in der Leitung. Doch dann hakte er nach und wollte wissen, ob ich auch dasselbe Duschgel wie beim ersten Mal benutzt hätte. Hatte ich nicht. Wie auch, denn es war ja nach dem ersten Duschen alle-alle gewesen. Beim zweiten Duschdurchgang behalf ich mir mit einer völlig anderen Duftnote einer völlig anderen Marke, aber immerhin noch mit demselben Handtuch.

Liebes Corona-Tagebuch, es tut mir leid, dass ich dir nichts zu erzählen habe. Aber es ist nicht so wie du denkst, ich kann alles erklären. Und irgendwann musste es ja mal soweit kommen, dass ich so gar nichts zu erzählen habe und mich an keinen Blödsinn erinnern kann. Ich bin halt auch nur ein Mensch. Allerdings ein sehr sauberer.“

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