LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Zauberhafte Ehrlichkeit

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um zauberhafte Ehrlichkeit und über Dick & Doof.

„Liebes Corona-Tagebuch, es ist die Stille einer warmen Nacht unter einem dunklen Himmel. Ich sitze auf meinem Balkon so vor mich hin und erinnere mich an ein unerwartetes Geschenk. Es kam am späten Nachmittag in Gestalt eines weit entfernten Bekannten zu mir, der es nicht eilig zu haben schien, endlich zu sich nach Hause und in den Feierabend zu kommen. So beginnt man miteinander zu reden. Über Gott und die Welt, wie man so unbedacht sagt. Aber ob er einen Gott hat, das weiß ich nicht, denn wir kamen gleich zur Sache und somit zur Welt; zu seiner Welt und das ist die Welt der Magie, der Manipulationen, der Tischzauberei und der Geschichten zwischen Houdin und Houdini. Dabei erzählte mir der Mann, den ich zwar kannte, aber mit dem ich bis dato keine halbe Buchseite Text gesprochen hatte, auf erfrischende Weise von Dingen, die ihn wirklich berührten.

Wissenaustausch auf der Sitzbank

Wir übersprangen also dieses fade immer wiederkehrende Geplänkel um Berufliches und ob man den Harry, den Willi oder die Uschi mal wieder gesehen und gesprochen hätte, und landeten stattdessen gleich dort, wo es wichtig ist. Er erzählte mir auf einer Sitzbank vor dem Lichtenfelser Rathaus davon, dass Stan Laurel (der Doofe von Dick und Doof) ein begnadeter Tischzauberer war und dass dessen Tochter ihren Patenonkel nicht leiden mochte. Der Patenonkel, das war Oliver Hardy und somit der Dicke von Dick und Doof. Und weil der in den Filmen immer ihren Papa schulmeisterte, mochte sie ihn eben nicht. Bis, ja bis ihr Papa ihr zuliebe mal ein Drehbuch schrieb, in dem er ihrem Patenonkel alles heimzahlte. Ab da mochte die Kleinen den Patenonkel Oliver Hardy wieder.

Ein wahrhaft doppeltes Geschenk

Liebes Corona-Tagebuch, du fragst dich jetzt vielleicht, warum ich diesen Eintrag vornehme. Aber ich finde, dass in dieser Begegnung ein doppeltes Geschenk lag. Denn zum einen ist die Geschichte um Stan und Ollie rührend, und zum anderen ist es doch auch eine Auszeichnung, wenn ein anderer Mensch einem ohne diesen vertrauensbildenden Umschweif über privaten Mist von dem erzählt, was ihn wirklich interessiert und was seine Leidenschaft bedeutet. Was lerne ich: 1. Höflichkeit hat viele Gesichter. 2. Eine halbe Buchseite sagt über Menschen gar nichts aus. 3. Auf dem Lichtenfelser Marktplatz kann man wirklich interessante Leute antreffen. Ganz, ganz ehrlich. (red)

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