LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Wie man Träume verwirklicht

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es darum, wie man von geplatzten Träumen hin zu einem lösungsorientierten Ansatz kommt. Und was das Nachdenken darüber bei Markus Häggberg auslöst.

Liebes Corona-Tagebuch, neulich musste ich eines Projektes wegen ja wieder mal in einer Agentur arbeiten und die hat ihren Sitz in einem unheimlich schicken Bau. Die haben echt alles dort, sogar Kaffeeautomaten, in die man überhaupt kein Geld einwerfen muss. Es ging um eine Werbekampagne, und während ich also einfallslos gegen die Wand stierte, hing ich gleichzeitig meinen Träumen nach. Vor allem den geplatzten. Und da gab es viele. Massig. Angestiftet durch meine letzte Freundin (die brünette), war sogar Fassadenklettern dabei. Das rangierte zwar nach Opalschürfen in Australien, aber noch vor Windjammerfahrt mit Seemannschor. Wenn auch noch erschwerend hinzu kommt, dass man schon über 40 ist, dann taucht auch die Frage auf, wo eigentlich der Rebell in einem abgeblieben ist. Und was hinterlässt man, das wirklich in Erinnerung bleibt?

Wenn die Natur nach Markus Häggberg ruft

Als leidlich bürgerliche Existenz saß ich also gescheitert da, stierte gegen die Wand und hielt an mich beziehungsweise in mir, obwohl die Natur schon länger nach mir rief. Hm, die Natur rief nach mir … schönes Bild, es ist aber auch nicht von mir, s' ist von Jack London. Ich kam mit mir überein, dass Jack London in meinem Fall wohl auch aufs WC gegangen wäre, und schlenderte los.

Ach ja, dachte ich so bei mir, mit den Träumen ist das schon so eine Sache, denn ist man jung, hat man keine Knete, um sie zu verwirklichen, hat man dann aber die Knete, hat man außerdem auch schon Arthrose. Noch ganz in Gedanken zu alledem, betrat ich die Kabine und gab mich ganz natürlich.

Man muss auch loslassen können, und so änderte ich die Richtung meiner Gedanken mehr so hin zu der Frage, wie man Träume verwirklicht statt nur träumt. Dieser Ansatz soll ja ungeheuer lösungsorientiert sein. Eine Weile lang passierte aber gar nichts, doch dann durchfuhr es mich, und ich erhielt erst die Ahnung einer Idee, dann die Idee selbst. Ja, ich war so weit, endlich und vielleicht gerade noch rechtzeitig – ich würde es tun, und man würde davon reden. Ganz bestimmt.

Ich spülte entschlossen, schloss kurz die Augen, atmete tief durch und kletterte über die Abortwand. Wie ein Fassadenkletterer. Und irgendwie rebellisch.

Ein paar Tage später bekam ich mit, wie Leute in dem Bürohaus darüber sprachen, welcher Blödmann ein von innen verschlossenes Klo hinterließ. Es habe Tage gedauert, bis man kapierte, dass da keiner drin hockt. Ach liebes Corona-Tagebuch, es ist schön, wenn man sich seine Träume noch beizeiten erfüllen kann.

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