LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Wenn Ionen Jedis werden

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Um was es heute geht? Markus wurde Zeuge eines ganz besonderen Wettstreits.

„Manchmal gehe ich ja zu dieser Büchervitrine am Marktplatz. Von ihr bis zum Floriansbrunnen in der Lichtenfelser Innenstadt ist es dann nicht mehr weit, höchstens einen Meter in östlicher Richtung.

Dort saßen neulich zwei Steppke am Rande des Beckens und spielten mit ihren Nasen-Mundschutz-Masken. Die Jungs waren wohl fünf, sechs Jahre alt und plauderten sehr aufgeweckt daher.

Der eine Junge sagte zum anderen, dass sein Mundschutz waschbar ist. Der andere Junge fühlte sich darob herausgefordert und erzählte, dass seines dreilagig sei. Jedenfalls hat' s die Mama mal bei Tisch so fallen lassen.

„Dafür ist meiner antibakteriell“, sagte der andere Junge. Ich war schon längst nicht mehr am Inhalt der doofen Büchervitrine interessiert, ich wollte wissen, was das Symposium der beiden Knirpse noch bereithalten wird.

Jedenfalls fühlte sich der eine Junge wieder herausgefordert, und so erklärte er dem anderen, dass seine Maske auch noch staubdicht sei. Das hatte der andere Junge jetzt wieder zu überbieten, und so packte er das Wort Nanusilber (er sagte zwar süß Nanusilber, aber er meinte ganz ernst Nanosilber) aus. In seiner Maske sei nämlich Silber drin, und das sorgt dafür, das alles bei ihm gut bleibt.

Der andere Junge brachte jetzt seinen Vater ins Spiel, weil der ihm gesagt habe, dass Silber Ionen freisetzt. Er sagte tatsächlich Ionen, und ich musste an Michel Tournier denken, diesen nun auch schon verstorbenen französischen Schriftsteller, der Kindern dieses Alters zugute hielt, wohl die klügsten Wesen auf Erden zu sein.

„Bei mir sind auch Ionen“, antwortete jetzt das andere Kind leicht trotzig. „Ja, aber meine Ionen sind alles Jedis“, konterte der andere Steppke. Dann war das Symposium vorüber. Ich hätte auch nicht gewusst, wie man das noch hätte überbieten sollen.“

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