LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Wenn ein wenig die Stille fehlt

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute berichtet unser Autor von Dingen, die besser etwas leiser erzählt werden.

„Liebes Corona-Tagebuch, Bildung ist ein hohes Gut und hat so viele Facetten. Wer gebildet ist, der weiß nicht nur viel und zusammenhängend, sondern er weiß auch im angemessenen Moment das Angemessene zu sagen. Manchmal scheint es einem schon fast, als ob es kaum noch wirklich gebildete Menschen gibt.

Vor allem scheint es so, als habe sich die Bildung aus dem Alltagserleben verabschiedet.

Man begegnet einfach nicht mehr nur mal so nebenbei einem Menschen, der einem vom Zufall geschenkt wird, weil er beim Metzger neben einem steht und beim Deuten auf den vor ihm liegenden Pressack ganz beiläufig etwas Charmantes zu Seneca, Beethoven oder dem Leben von sich gibt.

Ein wandelndes Lexikon kommt

In den Kino- und Fernsehfilmen sieht es ja immer so aus, als ob man nur lange genug im Café zu sitzen habe, bis ein wandelndes Lexikon mit professoralem Hintergrund freundlich anfragt, ob es sich noch auf den leeren Stuhl gesellen dürfe. Meist spielen solche Szenen dann aber in Paris, in London oder in New York. Aber als ich heute morgen mein Fenster öffnete, da war draußen Lichtenfels.

Eine helle Stimme drang an mein Ohr, und was sie sagte, machte mich sofort hellhörig. Sie sagte: „Mutti, ich war beim Frauenarzt.“

Eine inständige Hoffnung

Ich nippte am Kaffee und begann inständig zu hoffen, dass mit der Frau alles in Ordnung ist. Wie ich mitbekommen durfte, führte die junge Frau ein Telefonat mit ihrer Mutter, und Mutti hörte schon etwas schlecht.

Dementsprechend langsam, deutlich und laut erklärte die junge Frau ihr gesamtes Untenrum, und was da so in Schieflage geraten ist. Offenbar fragte Mutter bisweilen nach und wollte Details wissen.

Eine sehr schöne Art zu reden

Dabei leuchtete mir völlig ein, dass man nicht verschämt zu sein braucht, dass man über alles reden kann und alles im Grunde ja nur natürlich ist. So kam ich nicht umhin zu erfahren, dass es bei der jungen Frau etwas Organisches war. Abgesehen davon hatte die Frau eine sehr schöne Art zu reden, denn sie kannte nicht nur die Fachbegriffe, sie war auch in der Lage, im Bedarfsfall auf die weniger medizinischen Begriffe zurückzugreifen.

Liebes Tagebuch, man kann durchaus sagen, dass sie wirklich Bildung besaß.“

Rückblick

  1. Corona-Tagebuch: Schuppen und Schultern
  2. Corona-Tagebuch: Geschichten aus unserer Stadt
  3. Für die Biskupskis ist Klimaschutz Bürgerpflicht
  4. Corona-Tagebuch: Zwei Jungs, Weintrauben und ein Mercedes
  5. Uni-Rennteam in Bayreuth: „Elefant Racing“ auf Überholspur
  6. Anglerglück mit Fred Goller: Corona und die Schuppenträger
  7. Corona-Tagebuch: Im Bett mit Asterix und Lucky Luke
  8. Volker Thormählen: Ein Lebensretter aus vollem Herzen
  9. Corona-Tagebuch: Ein Unwort für jeden Romantiker
  10. Dr. Elisabeth Rauh: Corona fordert die Psyche
  11. Corona-Tagebuch: Die Jeans und eine orientalische Weisheit
  12. „Der Kirschgarten“ im Bamberger ETA Hoffmann Theater
  13. Corona-Tagebuch: Mit Yoga neue Horizonte entdecken
  14. Verkehr am Obermain: Der Herbst bringt Gefahren
  15. Andreas Thamm: Vom Schreiben und der Freiheit
  16. Corona-Tagebuch: Sauklaue hinter dem Ledereinband
  17. Terrainwanderweg: Über Sulligknöckla und 557 Höhenmeter
  18. Corona-Tagebuch: Der Cola-Dosen-Kicker von Lichtenfels
  19. Bad Staffelstein: Christina Gründel und Rica Kohmann sind Jugendbeauftragte
  20. Corona-Tagebuch: Alles eine Frage der Perspektive
  21. Kunstfenster im Bamberger Bürgerlabor
  22. Familienwanderung: Über das Leben am und im Main
  23. Corona-Tagebuch: Einen Tag lang Italiener
  24. Installation in Bamberg: Verschlossenes Zelt als Mahnmal
  25. Corona-Tagebuch: Auf zum fröhlichen Quantensprung
  26. Wiedersehen in Zeiten von Corona: Herzlichkeit mit Distanz
  27. Corona-Tagebuch: Offener Kamin im Wohnmobil
  28. Terrainkurwege bei Schwabthal: Wandergenuss und ein Drehort
  29. Hochschule Coburg setzt auf „Autonomes Fahren“
  30. Stadtplanung für Lichtenfels: Lernen aus der Pandemie
  31. Corona-Tagebuch: Schnickschnack, oder was wirklich zählt
  32. Corona-Tagebuch: Das Mädchen auf dem Apfelbaum
  33. Uni Bamberg: Infowelle auf allen Kanälen
  34. Corona-Tagebuch: Was an Arbeit besondere Freude bereitet
  35. Edeka-Baumpflanzaktion: Nachhaltigkeit schlägt Wurzeln
  36. Corona-Tagebuch: Senile Bettflucht ist der tote Punkt
  37. Pandemie und Kita: Kleiner Schupfen, riesen Problem
  38. Corona–Tagebuch: Anbauwand und Weinpresse
  39. Chance für geflüchtete Akademiker in Oberfranken
  40. Terrainkurweg: Hasenweg und Glaubensanker
  41. Corona-Tagebuch: Woodstock und die Zahnarztpraxis
  42. Schöne Aussichten beim ETA Hoffmann Theater in Bamberg
  43. Reinhard und Niklas Derra: Corona mal die Flex gezeigt
  44. Corona-Tagebuch: In Erinnerung an Luciano
  45. Corona–Tagebuch: Vergesslichkeit, Weinregal und Dusche
  46. Gerechtigkeit auf der Leinwand beim FrauenFilm-Festival
  47. Seubelsdorfer Kids lieben die tolle Knolle
  48. Corona-Tagebuch: Endlich hat es jemand begriffen
  49. Corona-Tagebuch: Wie man merkt, dass man alt wird
  50. Corona-Tagebuch: Wie kann man nur so falsch liegen

Schlagworte