LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Wenn der Zug abgefahren ist

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um eine Zugfahrt. Und ein Déjà-vu.

„Liebes Corona-Tagebuch,

nein, was geht dieses Deutschland doch vor die Hunde. Früher, ja früher, da – haha! – wäre so etwas nicht passiert. Da fuhren die Züge noch von den Gleisen ab, die im Fahrplan standen. Ich weiß es ja, ich war dabei.

Wenn mal etwas nicht klappte, dann gab es eine Durchsage, die man vom Bahnhof bis nach Mistelfeld hören konnte. Oder wenigstens bis zur Heiligen Familie. Und jetzt? Jetzt habe ich einen Geschäftstermin. Allerdings in entgegengesetzter Richtung zu der, in die ich gerade zu fahren beginne. Während ich von Gleis 3 loszuckele, sehe ich die Anzeigetafel über dem Bahngleis. Ich beginne zu lesen, und was steht da: Mein Zug fährt heute verspätet von Gleis 2 ab. Ich besinne mich und räume ein, dass man nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen aufsperren könnte. Und mit mir selbst schließe ich auch meinen Frieden, denn in diesem Jahr sitze ich ja wirklich erst zum dritten Mal im falschen Zug.“