LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Wenn der Traum zum Albtraum wird

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um:

„Liebes Corona-Tagebuch, gute Freunde helfen einem in der Not. Sie sind vielleicht nicht ständig präsent, aber in den entscheidenden Momenten schon.

Es ist so: Bernd war ein Mentor und ist es wohl noch. Da er älter ist als ich, kann ich den Spieß schwerlich umdrehen und ihm die Rolle klauen, obwohl ich das manchmal nur zu gerne möchte.

Neulich hat er mir mal wieder den Pops gerettet, und das noch im Schlaf.

Also es war so: Ich lag in der Heia und träumte so vor mich hin. Das ist kein unüblicher Vorgang, das kommt schon mal vor. Mir träumte, ich sei Mitglied eines Ermittlungsteams in Paris. Ich war zwar neu in der Truppe, aber ich hatte schon meinen eigenen Trenchcoat.

Ein Sehnsuchtsort mit Museen, Cafés, schönen Frauen

Dass ich in Paris war, schien mir noch im Traum eine Besonderheit. Ich nahm es nicht nur einfach hin, ich begrüßte es. Paris ist ja so ein Sehnsuchtsort, da gibt es die Museen, Cafés und Baulichkeiten, und, wie man hört, auch schöne Frauen.

Ich sollte einen Koffer ins Auto bringen

Natürlich gibt es auch das Verbrechen in Paris, deshalb war ich ja Ermittler, und das bei der Sureté. Ich hatte es mir in meinem Traum sehr schön eingerichtet und bekam einen wichtigen Auftrag. Ich sollte einen Koffer von einer Wohnung hinunter zur Straße bringen und dann in den Kofferraum eines Autos legen. Der Koffer war ganz schön schwer, und was da genau drin war, das wusste keiner so recht. Aber alle meine Kollegen schienen beeindruckt und machten bedeutsame Gesichter, und manch einer von ihnen zündete sich auch eine Zigarette an. Alles wirkte wie in einem Film von Chabrol.

Aber den Koffer schleppen musste nur ich, und schwer war er. Unten auf der Straße, so hieß es, stünde schon das Auto, und ich sollte mich beeilen.

Ein kicherndes Zimmermädchen kam mir entgegen

Wie ich mich so auf den Stufen abmühte, da kam mir ein kicherndes Zimmermädchen entgegen, gefolgt von einem nicht so kichernden. Keine Ahnung, wo die herkamen, aber es war ja Paris, und da treiben sich Zimmermädchen ja vielleicht auch in Mietshäusern rum, wer weiß.

Hätte ich nicht schon meinen eigenen Trenchcoat gehabt, wäre mir das alles vielleicht gar nicht erst aufgefallen.

Also ich trat jedenfalls mit dem Koffer durch die Tür ins Freie und sah auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Citroen mit geöffneter Kofferraumklappe. Es war ein neueres Modell, was auch erklärte, weshalb ich nicht in schwarz-weiß träumte. Aber weit und breit keine Spur von meinen Kollegen.

Die Straße war wie leer gefegt

Die Straße war überhaupt wie leer gefegt, und irgendwie hatte ich den Eindruck, das ist nicht mehr mein Paris. Da waren keine Katzen an den Mülleimern, da trug niemand ein Baguette durch die Gegend, und von Eiffelturm oder Sacré-Coeur war oberhalb keines Hausdaches auch nur eine Spur zu entdecken.

Frauen trugen Faltenröcke und Dauerwelle

Dann hörte ich Frauen, und sie kamen aus den Häusern. Sie lachten laut und trugen Faltenröcke und Dauerwelle. Das war nicht mehr Paris, das war Wuppertal-Mitte. Der Traum drohte zu kippen und ich …

Da klingelte plötzlich das Telefon, und ich wachte auf. Bernd war am Apparat. Bernd war mir immer eine Hilfe.

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