LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Wenn der Bauch im Weg ist

Markus Häggberg. Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um Las Palmas. Und die stille Küste.

„Liebes Corona-Tagebuch,

beim Essen spricht man nicht, habe ich in meiner Kindheit immer von den Erwachsenen zu hören bekommen. Gut nur, dass sich die Erwachsenen selbst nicht immer daran halten. Auf der Berta beispielsweise war das so. Die Berta ist ein ehemaliger Fischkutter, sitzt im Hafenbecken von Lauterbach, und das ist ein Ort auf Rügen. Mein Kumpel und ich hatten dort zu arbeiten, deshalb hatten wir dort auch Hunger. Wir kauften uns Fisch mit Kartoffeln und Remoulade, setzten uns an einen Tisch auf der Berta und blickten aufs Wasser. Dann setzten sich Leute vor uns und versperrten uns die Sicht. Das schärfte wiederum unser Gehör, und so bekamen wir mit, dass die beiden Ehepaare in vorgerücktem Alter derzeit in gewichtige Situationen gestellt sind. ,Wir fliegen nur mit Condor-Airlines‘, erklärte die Dame, die ein Gespür für auffälligen Schmuck hatte. Ihr Mann war ganz auf ihrer Linie und versicherte: ,Nur mit Condor.‘ Sieberts, so erfuhren mein Kumpel und ich, seien jetzt schließlich auch geflogen. Sieberts fliegen allerdings nur ,auf Teneriffa und mit anderen Airlines auch‘, so die Dame. ,Nur auf Teneriffa‘, bestätigte auch ihr Mann. Aber das andere Ehepaar wurde bei dem Gehörten stutzig. ,Nur Teneriffa?‘, fragte es. ,Nur Teneriffa‘, bekam es versichert. Allerdings, das mussten wir auch erfahren und es traf meinen Kumpel und mich unvorbereitet, sei Las Palmas nicht mehr wie früher. Viel lauter und hektischer sei es geworden. Früher, als ,noch nicht alle Welt‘ dorthin flog, tjahaha, da war Las Palmas noch Las Palmas. Aber jetzt, na ja, man macht‘s halt mit. Und die Steiners fliegen ja auch hin. Auch nur mit Condor. Als die Ehepaare so miteinander sprachen und dabei aßen, da wurden sie immer lauter und bestimmter. Wie sie das bei durchaus gleichen Meinungen zu diesem und jenem hinbekommen konnten, blieb meinem Kumpel und mir ein Rätsel. Am lautesten wurde es zwischen den zwei Ehepaaren, als sie darüber ins Schwärmen gerieten, wie schön es doch an der Costa Calma ist. ,Also die Costa Calma, so hob eines der Ehepaare an und schloss genießerisch die Augen, ,da sind wir überhaupt am allerliebsten‘. Wie gern dieses Ehepaar an der Costa Calma ist, konnte man auf der Berta gut zwischen Achtern und Bug hören. ,Aber nur mit Condor-Air‘, kam es ergänzend aus dem Munde des Mannes vom anderen Ehepaar.

Liebes Corona-Tagebuch,

in meinem Kumpel und mir stieg der Verdacht auf, dass Costa Calma übersetzt so viel wie stille bzw. ruhige Küste heißen könnte. Als wir das mittels Handy bestätigt bekamen, sahen wir unsere Gegenüber mit anderen Augen. Es blieb nicht mehr viel übrig von all dem Schmuck und den Ringen und der Welterfahrenheit. Aber die Remoulade ist auf der Berta echt gut und ein paar Meter weiter gibt es einen Stand mit Quarkbällchen und unverbaubarer Sicht.“

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