LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Von Sternsingern und Weicheiern

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um Weicheier, das Altwerden und die Sternsinger.

„Liebes Corona-Tagebuch, Olaf ist gerade ein bisschen melancholisch. Weich. Soft. Hat nah am Wasser gebaut. ,Hast du noch lange?', fragte ich daher vorsichtig und diskret zu seinem allgemeinen Zustand, und er konnte mich beruhigen. Ja, er hat wohl noch lange. Zumindest ist ihm nichts Gegenteiliges bekannt. Es sei nur so, dass er in letzter Zeit einfach etwas zugänglicher für die eigenen Tränen ist.

So standen wir da, auf dem Supermarktparkplatz und mit je einem Wagen vor dem Bauch. Wir kamen irgendwie auf die Sternsinger zu sprechen und darauf, dass diese Tradition so langsam verloren geht. Dann hatten wir beide Tränen in den Augen und nahmen uns vor, den nächstens uns unter die Augen kommenden Sternsingern aufmerksam beim Singen zuzuhören und nur so mit Gaben zu überhäufen, und wenn es noch bis Januar dauern sollte.

Die Zeit hat Spuren hinterlassen

Liebes Corona-Tagebuch, ich kenne Olaf noch von früher, und er war immer ein sehr zupackender Typ. Cool, ein bisschen unnahbar und alles andere als ein Softie. Offenbar hat die Zeit auch bei ihm Spuren hinterlassen. Aber die erschreckendste Erkenntnis zu dem Vorfall war, dass wir das mit den Sternsingern und feuchten Augen auch bei vollkommener Nüchternheit hinbekamen. Älterwerden, so heißt es, sei nichts für Weicheier. Ich bin mir da nicht so sicher.“