LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Von Mehrtonnern und der schönen Anna

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Derzeit weilt er in Polen. Heute geht es um die schöne Anna. Und um Mehrtonner. Und Eingewecktes.

„Liebes Corona-Tagebuch, Anna ist eine sehr schöne Frau. Nur leider gehört sie schon Piotr. Aber ich gönne sie ihm, und die beiden sind einander herzlich zugetan. Piotr hat hier in Kattowitz ein Fuhrunternehmen und ist somit aus der gleichen Branche wie mein Onkel, der ja unlängst seinen 80. Geburtstag feierte und mich einlud.

Zusammen sind sie 80 Jahre alt

Anna und Piotr sind zusammen 80, und dass sie mit meinem Onkel befreundet sind, lässt mich auf eine Art Freundschaft schließen, bei der mein Onkel wohl die Rolle eines Mentors einnimmt.

Es ist Abend und wir sitzen in Annas und Piotrs Garten.

Sie zeigten mir ihr wirklich schönes Haus und die darin befindlichen Möbel. Dann aber war die Garage dran und dort galt es allerlei zu bestaunen. Klar, zwei ziemlich teure Autos befinden sich auch darin, aber vor allem befindet sich darin in Regalen das Who' s who des Einweckbaren. Pilze? Sie stehen in Einweckgläsern zwischen Reihe 3-5. Paprika? Die roten stehen in Einweckgläsern von Reihe 6-7, die gelben in 8 und 9. Die Regalreihen 1-2 sind dem Steinobst vorbehalten und hinterm Porsche gedeiht die Marmelade. Mit Curry, mit einem Hauch Whisky und wahlweise auch mit mehr oder weniger Gelierzucker.

Die Sache mit der Reifenpanne

Während Piotr gerade sein Glas Wodka auf unser aller Wohl erhebt und am Grill stehend das herrlich duftende Wildschweinfleisch mit einem Knoblauchsud bestreicht, kommt er darauf zu sprechen, warum seine Anna jetzt auch Truckerin ist und einen 30-Tonner/Diesel fährt.

„Schaut, das ist so: Wenn ich unterwegs mit dem Laster eine Reifenpanne habe oder was am Motor ist, dann rufe ich über Funk, und dann kommt keiner, um mir zu helfen.

Wenn aber Anna über Funk oder Handy sagt, dass sie eine Panne oder einen Schaden hat, dann kommen alle und sofort“, erklärte uns Piotr mit einem Lächeln, so breit wie sein 30-Tonner/Diesel.

Dann pflanzte er jedem von uns eine riesige Portion Wildschweinbraten auf den Teller und zeigte uns, wo genau in seiner Garage die Biere wachsen.

Liebes Corona-Tagebuch, Hemingway schrieb mal ,Paris – Ein Fest fürs Leben'. Ich glaube beinahe, er kannte Polen nicht.

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