LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Von Esoterik und Stand-Up-Paddling

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es darum, wie Esoterik bei schwerwiegenden Entscheidungen helfen kann. Oder auch nicht.

„Liebes Corona-Tagebuch, zwei Fragen sind es, die Sabrina von je her beschäftigen: Gibt uns das Leben Zeichen, oder bilden wir uns das alles nur ein? Aber vor einer Woche ging Sabrina unter die Mystikerinnen, denn sie fasste Vertrauen in die Worte einer Freundin, die sehr esoterisch ist. Immer wieder stößt diese bei den Kennzeichen vorbeifahrender Autos auf die Initialen ihres beknackten Freundes, fasst das als irgendwie positives Zeichen auf und verlässt den Deppen nur deshalb nicht. Und diese Frau riet nun also Sabrina, im Leben mehr auf Zeichen zu achten.

Mit diesem Ratschlag gut versorgt, ging Sabrina neulich an ihrem freien Tag mit sich und einer Idee schwanger etwas spazieren. Derzeit erwägt sie nämlich, sich ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen, und wägt ab, wägt noch mal ab, tendiert mal dazu und mal hierzu. Nun aber wollte es der Zufall oder wer auch immer, dass sie am Baggersee einer Bekannten begegnete, die Stand-Up-Paddling betreibt. Die beiden Mädels begrüßten einander freudig und erkundigten sich nach dem gegenseitigen Befinden. Dabei kam Sabrinas Befinden aufs Tapet und somit auch ihre Geschäftsidee.

„Ich weiß nicht, ob ich das machen soll oder nicht“, erklärte Sabrina zu ihrem möglichen Vorhaben. Und die Freundin hatte auch einen Rat parat: „Komm', steige aufs Board und fahre über den See. Nichts macht dir den Kopf so frei wie Stand-Up-Paddling.“ Dann gab sie Sabrina eine Einweisung dazu, wie man dieses Brett samt Paddel überhaupt bedient. Erst sollte Sabrina auf Knien über den See paddeln und dann könne sie ja aufstehen, erklärte die Freundin.

So geschah es, und Sabrina kniete sich hin und paddelte los. Drei Züge links, drei Züge rechts und so, wie ihr geheißen ward. Während Sabrina so paddelte, hatte sie Zeit, sich etwas umzusehen. So fiel ihr Blick auf den Schriftzug auf dem Board, und dort stand: „Ride, explore your world“ (Fahre hinaus, entdecke deine Welt). Ui, dachte sich Sabrina und beschloss, das als Zeichen zu sehen und das Wagnis eines neuen Geschäftsfeldes eingehen zu wollen. Sie verbrachte noch eine ganze Weile paddelnd auf dem Board, besah sich Landschaft und Natur, schloss die Augen und atmete tief durch. Dann versuchte sie auch aufzustehen, verlor aber kurz die Kontrolle, fiel gut gelaunt ins Wasser und weiß seitdem, dass die heimischen Baggerseen auch in der ersten Juniwoche schon warm sind. Sie fühlte sich frei und irgendwie gut aufgehoben. Das Leben hatte ihr mit dem „Fahre hinaus, entdecke deine Welt) ganz offensichtlich ein ermutigendes Zeichen geschenkt.

Am Abend dann ließ sie das Erlebte gedanklich noch mal Revue passieren. Dabei fiel ihr aber auf, dass auf dem Board nicht nur was vom Entdecken der Welt stand, sondern dass sie ja auch ganz schön baden ging. Da waren sie wieder, die beiden Fragen: Gibt uns das Leben Zeichen, oder bilden wir uns das alles nur ein?

Und die Moral von der Geschichte, liebes Corona-Tagebuch? Sabrinas Freundin ist immer noch mit ihrem Deppen zusammen. Der hat zwar neulich den gemeinsamen Jahrestag vergessen, aber weil ihr am selben Tag auch ein Coburger Auto mit seinen Initialen im Kennzeichen entgegenkam, hofft sie auf Besserung.“

 

Rückblick

  1. Corona-Tagebuch: Auf den Zahn gefühlt
  2. Bamberg für Gipfelstürmer und Leichtmatrosen
  3. Corona-Tagebuch: Der Mond über der Wüste
  4. 9-Euro-Ticket: Wanderung auf dem Pfad der Flechtkultur
  5. Corona-Tagebuch: Das liebenswerte einfache Leben
  6. IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner verabschiedet
  7. Sprachbarrieren überwinden - bei der VHS Coburg
  8. Corona-Tagebnuch: Mamas „Wattepatronen“
  9. Wandern mit 9-Euro-Ticket: Start am Lichtenfelser Bahnhof
  10. Corona-Tagebuch: Berliner Weiße gegen Leberkäs
  11. Oliver Wings ist neuer Leiter des Naturkunde-Museums Bamberg
  12. Coburger Professor forscht zu New Work
  13. Spannung im Maislabyrinth in Kösten
  14. Corona-Tagebuch: Lieber mit Kind - oder mit Hund?
  15. Corona-Tagebuch: Glaube, Liebe und Hoffnung
  16. Mit dem 9-Euro-Ticket zur Plassenburg
  17. Corona-Tagebuch: „Lady Jane“ als Klingelton
  18. Neue Broschüre in Leichter Sprache für Franken und Oberpflaz
  19. Oberfränkische Gewässer im Stress
  20. Dr. Al-Khatib vom Bezirksklinikum Obermain über Ängste
  21. Corona-Tagebuch: Udo L. grüßt am Urinal
  22. Neunstachlige Stichlinge in Hallstadt gerettet
  23. Kinderbuchstabensuppe: zuhause die Welt entdecken
  24. Corona-Tagebuch: Wie das Große und das Kleine zusammenhängt
  25. Lernwerkstatt des Bezirks bietet ein Ferienprogramm an
  26. Corona-Tagebuch: „Am Montag ist wieder Pension“
  27. Kunst für Grundschulkinder und Spaß auf der Veste Coburg
  28. Corona-Tagebuch: Fahrfehler und FFP2-Maske
  29. Jubiläumswanderung von Zapfendorf nach Kirchschletten
  30. Renate Hölzl nutzt ihre Chance im Kindergarten in Weismain
  31. Corona-Tagebuch: Es ist noch viel ernster
  32. Corona-Tagebuch: Markus Häggberg ärgert sich
  33. Abschied von Weihbischof Herwig Gössl bei der Caritas
  34. Wissenschaftstag am 29. Juli in Coburg
  35. Corona-Tagebuch: Mit den „Rolling Stones“ im Zug
  36. Corona-Tagebuch: Bescheidener Pragmatismus
  37. Ein neuer Gebrauchter für Eilien Ofzarek aus Redwitz
  38. Corona-Tagebuch: Störche und Brunzkarter
  39. Soldarische Landwirtschaft: Gemeinsam geht es am besten
  40. Bamberger Don Bosco Musikanten in Brüssel
  41. Jugendleistungsmarsch: 45 Teams treten mit viel Elan an
  42. Corona-Tagebuch: Ein wahrhaft treuer Begleiter
  43. Corona-Tagebuch: Die Vögel überwachen uns
  44. Sängerbund: Ehrgeizige Ziele in schwierigen Zeiten
  45. Corona-Tagebuch: Erdkunde als Knabberspaß
  46. Bamberg: 430 Jugendliche und eine Message
  47. Corona-Tagebuch: Internationales Seerecht und Waschmaschine
  48. Buchstabensuppe: Mein Körper ist mein Zuhause
  49. 9 Euro-Ticket-Ausflug: Wo der Main geheimnisvoll fließt
  50. Corona-Tagebuch: Kassler, Linsen und das Leben

Schlagworte