LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Von Drinks und Vampiren

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute berichtet unser Autor über nicht so gelungenes Projekt.

„Liebes Corona-Tagebuch, das Leben verläuft nicht immer wie geplant. Du weißt es, ich weiß es, wir alle wissen es. Aber man muss das Beste daraus machen und hoffen, denn was bleibt uns übrig.

Martin und ich hatten uns auch mehr von unserem Projekt erwartet. Wir haben wirklich geglaubt, es könnte uns etwas von innovativer Größe gelingen. Etwas, das Eingang findet ins Erbe der Menschheit. So wie die Kontrolle des Feuers, das Rad oder die Matthäus-Passion.

Wir haben dem Projekt wirklich Zeit gegeben

Dabei haben wir unserem Projekt wirklich Zeit gegeben, haben es reifen lassen und uns auf den Tag gefreut, an dem etwas geboren wird, was uns das gute Gefühl gibt, dass unsere Leben nicht ganz umsonst waren. Die, die uns kannten, hätten sagen sollen: „Ja, glücklich und dankbar bin ich, ihnen begegnet zu sein.“

Jetzt hingegen fehlen ihnen vermutlich die Worte. Dabei hatten Martin und ich wirklich nur gute Absichten, an uns selbst haben wir bei alledem nicht gedacht; nicht an Vermarktung oder die Schaffung von Vertriebsstrukturen. Nein, nein, nein.

Gut, zugegeben, wir hätten nichts dagegen gehabt, wenn wir Ehrenbürger der Stadt Lichtenfels geworden wären. Oder wenigstens Aufnahme gefunden hätten in die Académie francaise – man soll ja klein anfangen. Aber gestern, das war alles so furchtbar ernüchternd.

Martin holte die lange gehütete Flasche hervor und öffnete sie. Ja, was soll man sagen, Schnaps aus Knoblauch, Rosmarin und Chili schmeckt einfach hundsmiserabel, man kann sich daran verschlucken, bekommt den Qualm nicht mehr aus den Bronchien und ob man hinterher seine Lebenszeit verlängert oder verkürzt hat, weiß auch keiner so genau.

Da wird sogar der Vampir in Transsylvanien stutzig

Mal ganz abgesehen davon, dass es Auswirkungen auf das Umfeld hat. Wer mit diesem Geschmack im Mund um 22 Uhr in Lichtenfels das Haus verlässt, macht spätestens um 22.01 Uhr Vampire in Transsylvanien stutzig. Wie man diesen Drink, dessen Eltern Hoffnung und Fantasie waren, Interesse weckend benennen sollte, ist auch nicht klar: Tote Maus? Abdecker statt Absacker? Jenseits von Eden?

Wir kamen überein, dass er aus Marketinggründen eher englisch klingen sollte, damit er zum einen exotisch und international anmutet, uns zum anderen aber nicht vorgeworfen werden kann, wir hätten nicht gewarnt. So kamen wir auf Cold Turkey, No Compromise, Evel Knievel, Paradise Lost, Area 51, No Shelter oder – mein Favorit – Carpathia on the Socks.

Vielleicht ist ja die Welt einfach noch nicht reif dafür

Liebes Tagebuch, wir hatten dabei vor Lachen Tränen in den Augen, und ich glaube, wir haben noch das Beste daraus gemacht. Und vielleicht ist die Welt auch einfach noch nicht reif dafür.

Und vielleicht wird eines Tages jemand, der würdiger ist als wir, auf unserer Forschung aufbauen können und dadurch doch noch etwas von Größe und Bedeutung erfinden. Die Kurzwellenklöppelei beispielsweise oder den ersten Samthandschuh aus Schleifpapier.“

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