LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Von Dessous und Detektiven

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute berichtet unser Autor über Dessous und Detektive.

„Liebes Corona-Tagebuch, wenn man sich seine Kindheit bewahrt hat, dann kann das Leben auch trotz Corona heiter sein. Alles was man dazu braucht, ist etwas Fantasie und einen Ladendetektiv. Den Ladendetektiv kenne ich vom Sehen, weil er irgendwann mal auf dem Amtsgericht als Belastungszeuge gegen einen Lichtenfelser Langfinger auszusagen hatte. Jedenfalls stand ich im Kaufhaus und blickte so in die Damenwäscheabteilung, als ich dort jemanden rumstrolchen sah. Erst habe ich ihn wegen des übergroßen aufgeklebten falschen Schnurrbarts und der lächerlichen Brille nicht so richtig erkennen können, als ich sie dann aber abnahm, war die Sicht besser und er war es wirklich.

Ab da nahm ich mir vor, ihn im Blick zu behalten und wollte mal sehen, ob er seine Observierung bemerkt. Mal beschlich ich ihn von links, mal beschlich ich ihn von rechts, mal stand ich ihm im Abstand von einigen Metern gegenüber und tauchte ab, sobald er in meine Richtung sah. Allerdings nur, um am anderen Ende des Regals wieder aufzutauchen. Dabei stellte ich mir vor, wie verdächtig ihm das vorkommen musste und wann er wohl Lunte riechen würde. Ob er mich wohl für einen höchst durchtriebenen Dieb halten würde oder für einen Deppen?

Tja, aus diesem Spannungsfeld bezog ich meinen Nervenkitzel. Was soll ich sagen, ich bin ein einfaches Gemüt. Dann aber entschloss ich mich dazu, der Sache etwas mehr Pep zu geben, indem ich in der Damenunterwäscheabteilung mein Unwesen trieb. Jetzt allerdings konnte ich ihn nirgendwo mehr erspähen, egal wie viel Unterwäsche ich fachmännisch beäugte. Mein Trost war, dass, solange ich nix einsteckte und an der Kasse vorbei ins Freie ging, er mir ja auch nichts anhaben konnte. Irgendwann aber sah ich ihn doch wieder. Das kam daher, weil ich herausfand, dass blickdichte Dessous doch nicht immer blickdicht sind. Das war vielleicht peinlich. Ich muss sagen, er hat mich wirklich sehr abschätzig angeschaut, wie ich so den Fummel in Händen hielt.

Liebes Corona-Tagebuch, irgendwie sollte ich meine Albernheiten wirklich mal lassen, alt genug bin ich ja. Meine Ex-Freundin hat mich auch immer gewarnt: 'Irgendwann wirst du auf die Nase fallen und dann werden dir schmerzlich die Augen aufgehen.' Was soll ich sagen, sie hat so recht behalten, denn, liebes Corona-Tagebuch, ich glaube, ich habe ganz schön zugenommen. Kaum ein BH wollte mir im Kaufhaus passen.“

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