LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Von der Suche nach dem Mond

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um Mondguckerei und andere Ungeschicklichkeiten.

„Liebes Corona-Tagebuch, vor ein einiger Zeit hatten wir ja einen unglaublich hellen Vollmond. Einen Tag später hatte ich eine Anruferin, und die sagte mir, dass einer ihrer Nachbarn die Nachricht auch gehört hatte und ihr nachging. Nennen wir den Nachbarn mal unverfänglich Georg und behaupten wir mal, er stamme aus dem östlichen Landkreis (tut er nicht, nicht die Bohne), weil das, was jetzt folgt, ihm gewiss noch ein bisschen anhaften dürfte. Also da schien jetzt dieser Mond und Georg hatte davon Kenntnis. Er sah aus dem Fenster in die Dunkelheit, doch er sah ihn nicht. Er sah aus einem anderen Fenster, doch er sah in von dort aus auch nicht. Theoretisch, da war sich der Georg sicher, musste der Mond aber da sein. Da der Georg aber auch eine Spur vergnügungssüchtig ist, dachte er sich, dass, wenn einem schon so ein Schauspiel geboten wird, man es nicht versäumen dürfe.

Er ging vor die Haustür, stieg auf sein Fahrrad. Weil sein Fahrrad kein Licht hat, griff er zur Stirnlampe und setzte diese auf. Dann fuhr er durch die Straßen, immer auf der Suche nach dem Mond. Der Georg wusste schon auch, dass so ein Mond grundsätzlich am Himmel zu finden ist, nur halt wo genau hinter all der zugebauten Gegend seiner Nachbarschaft, das wusste er nicht.

Und wie er so trampelte und nicht daheim war, da vermisste ihn wohl seine Frau und wurde stutzig, weil sie ihn nirgendwo im Haus finden konnte. Sie suchte ihn hier, sie suchte ihn dort, sie ihn vorne, sie suchte ihn hinten und irgendwann suchte sie ihn auch mal vor der Haustür.

Dabei fiel die Tür ins Schloss und sie stand draußen. Es war frisch draußen, das haben so helle Monde oft an sich. Wer jetzt helfen könnte, das war der Georg. Aber der radelte mit der Stirnlampe in der Gegend, immer so den Himmel ableuchtend, ob er nicht vielleicht auf den Mond stieße. Irgendwann, so sagte mir die Anruferin, habe der Georg den Mond gefunden. Er schien ein bisschen außerhalb seiner Nachbarschaft und er schien wirklich sehr hell.

Und seine Frau ist auch nicht erfroren. Ob es ein Donnerwetter gegeben hat, ist nicht bekannt. Hoffen wir das mal für den Georg, denn er hatte ja im Grunde alles richtig gemacht. Er hatte beim nächtlichen Fahrradfahren sogar das Licht an.“

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