LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Vom Kampf gegen schlechte Gerüche

Markus Häggberg. Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch für OTverbindet. Heute geht es um eine Katze und ihre Verdauung. Und irgendwie auch um Lachs.

„Liebes Corona-Tagebuch, ich bin verunsichert. Es kommt nicht oft vor, dass ich einigermaßen ratlos auf die Tastatur blicke und nicht weiß, wie ich beginnen soll. Oder enden. Vom Dazwischenliegenden ganz zu schweigen. Wird diese Geschichte gegen den guten Geschmack verstoßen? Tief im Inneren weiß ich, dass man über alles reden und somit wohl auch über alles schreiben kann. Aber kann ich das?

Aber vielleicht beginne ich wirklich beim Anfang, und der bestand darin, dass mich eine liebe Bekannte zum Abendessen lud. Es sollte Lachscarpaccio mit Parmesan und grünem Pfeffer geben. Die Wohnung war schön beheizt und aus der Küche duftete es herrlich nach Limetten und frischem Koriander. Meine Bekannte hat sich auch ein bisschen in Abendgarderobe geworfen, denn sie mag es, ein gepflegtes Essen zu zelebrieren.

Wie sie noch so in der Küche zu tun hatte und Leonard Cohen aus dem Lautsprecher ihrer Musikanlage kam, da strich mir ihre Katze um die Beine. Womit wir beim Thema wären. Also, es ist so, dass meine Bekannte neuerdings eine Katze hat. Und einen Bunsenbrenner. Die Katze wiederum hat eine Verdauung. Und der Bunsenbrenner einen Gefährten, nämlich ein Desinfektionsspray mit 70 Prozent Ethanolanteil. Man kann sagen, dass die beiden neuerdings nur gemeinsam in Erscheinung treten. Verstehen Sie, worauf ich hinaus will?

Gut, ich versuche es noch mal. Also, meine Bekannte hat einen überraschend verspielten Umgang mit Problemen und mir gezeigt, dass es das Kind im Manne auch als Kind in der Frau geben kann. Abendgarderobe und Lachscarpaccio hin oder her. An dieser Stelle muss ich noch mal auf die Verdauung der Katze zurückkommen und von so Dingen wie Methan, Stickstoff, Kohlenstoffdioxid oder Schwefelverbindungen schreiben.

Bunsenbrenner und Desinfektionsspray statt Lüften

Habe ich schon erwähnt, dass meine Bekannte nicht nur einen verspielten, sondern auch einen pragmatischen Zugang zu Problemen hat? Nein, nicht? Nun, dann hole ich es hiermit nach. „Ja, sicher, ich könnte auch lüften“, hat sie mir beim gemeinsamen Abendessen gesagt, aber dabei gleichzeitig zu bedenken gegeben, dass man dadurch in einem Winter oder Frühjahr doch sehr viel Wärme nach außen entweichen lässt. Und so sei sie auf die Idee mit dem Bunsenbrenner und dem Desinfektionsspray gekommen.

Mittlerweile hatte meine Bekannte das Abendessen auch serviert und eine Kerze angezündet, und so begaben wir uns zu Tisch. Als mir ihre Katze zu Leonard Cohens zärtlichem Welthit ,Suzanne‘ mal wieder um die Beine strich, gab sie sich ganz natürlich (also die Katze, meine ich jetzt) und machte ordentlich Wind. Was ihr entfuhr, war schlichtweg infernalisch. Doch mit einem gezielten Spraystoß und unter Einsatz des Bunsenbrenners sorgte meine Bekannte dafür, dass das Abendessen für die nächsten Minuten keine weitere geruchliche Beeinträchtigung erfuhr, und mittlerweile sang Leonard Cohen sein gleichfalls zärtliches ,Bird on the wire‘.

Liebes Corona-Tagebuch, ich habe an diesem Abend wirklich viel gelernt. Es muss zu Fisch tatsächlich nicht immer Weißwein sein. Auch ein tanninreicher Rotwein verträgt sich gut mit Lachs.“

 

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