LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Verzeihung für 1986

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute erinnert er an einen der besten Fußballer aller Zeiten:

„Liebes Corona-Tagebuch, ich kann nichts dafür, aber meine Gedanken drehen sich um ihn, nur um ihn. Dabei bin ich gar nicht so. Aber bei ihm mache ich eine Ausnahme. Weil ich muss, weil ich ihm im Laufe der Zeit verziehen habe.

Ich war noch keine 15, als er mir zusetzte. Jetzt bin ich mehr als dreimal so alt und sollte eigentlich konzentriert arbeiten, aber ich kann nicht, weil er sich gerade aufdrängt und mir den Willen zur Arbeit vertreibt. Dabei haben wir uns nie persönlich kennengelernt.

Ich hatte ja nie Zeit für ihn oder die Knete, um ihn mal zu besuchen. Abgesehen davon wusste ich auch nie so genau, wo genau er gerade mal wieder wohnte. Dass er für mich einmal so unvermeidbar unausweichlich werden könnte, hätte ich nie gedacht. Eigentlich soll ich eine Kolumne über hiesige Vorkommnisse schreiben, aber sein Schatten fällt eben auch bis in unseren Landkreis.

Tatsächlich habe ich mir vorhin sogar Bilder von ihm angeschaut, und auf einem wirkte er so unbeschwert, als stünde ihm ewige Jugend samt ewiger Ausgelassenheit bevor. Er küsste dabei einen Ball, und das war, was mich – noch nicht mal 15 Jahre alt – fertig machte. Der Ball hätte eigentlich von meinem Idol Kalle Rummenigge geküsst werden sollen, aber er hat ihm ein Schnippchen geschlagen. Und mir.

In der 84. Minute spielte er aus dem Fußgelenk heraus einen genialen entscheidenden Pass auf Burruchaga, und das beendete in diesem Jahr an einem 29. Juni meine Freude am Sommer 1986. Ich legte tatsächlich keinen Wert mehr auf Juli und August und auch nicht auf das geliebte Lichtenfelser Schützenfest. Ich habe ihm das mit der WM verziehen, so mit 18, 19. Dass er mich heute gedanklich den ganzen Tag von der Arbeit abgehalten hast, geht schon in Ordnung. Er war ja nicht irgendwer, er war halt Diego Armando Maradona. Und in Lichtenfels war eh nix los.“

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