LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Verschwiegenheit und ein roter Schlüpfer

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd sein Corona-Tagebuch. Derzeit weilt er bei lieben Verwandten in Polen. Wenn da nicht die Sache mit dem roten Schlüpfer wäre.

„Liebes Corona-Tagebuch, ein Gerücht geht um: Hatte ein Großcousin hier was mit einer Großcousine? Ich stieß auf dieses Gerücht, weil beim Frühstückstisch schon etwas gedämpfte Stimmung herrschte und ich, sensibel wie ich nun mal bin, das doch tatsächlich mitbekam.

Liebe unter den Enkeln

Also wenn ich es richtig verstanden habe, soll eine Enkelin von einem alten Onkel hier was mit einem Enkel einer alten Tante gehabt haben und das brachte mich gedanklich wieder auf den roten Damenschlüpfer (Größe 38), den ich vor Tagen in dieser Wellblechgarage bei einer Bandsäge liegen sah.

Stefan und Karolina? Wirklich?!

Jedenfalls wurde Stefan seitens der Verwandtschaft etwas misstrauisch beäugt, weil man ihm zutraute, dass er was mit Karolina gehabt haben könnte. Denn erstens waren sie an dem Abend des 80. Geburtstags meines Onkels sehr bald nicht mehr zu sehen, zweitens kamen sie erst in den Morgenstunden mit Schlagseite heim und drittens trüge Karolina ja rote Schlüpfer. Oder Stefan. Wem von beiden man das nachsagt, habe ich jetzt auch nicht mehr so genau in Erinnerung.

Stefan und Karolina jedenfalls hielten sich zu dem Vorfall bedeckt, und so kam es, dass man seitens der Verwandtschaft immer durchtriebenere Methoden des Aushorchens einsetzte.

Ein Onkel versuchte es mit Bier, ein anderer mit Wodka, ein dritter damit, dass er selbst Schlüpfrigkeiten zu sich preisgab und ein vierter stellte Stefan gar ein Erbe in Aussicht.

Mit Bier und Wodka

Ich hingegen versuchte es um zwei Uhr morgens auf der Veranda mit Verständnis und Einfühlungsvermögen. Stefan durfte von mir erfahren, dass es natürlich zu Amouren kommen kann, wenn sich anlässlich eines Geburtstags auch so viele junge Leute begegnen.

Und erst recht, wenn sie doch so jung sind. Dabei schenkte ich ihm ein Zwinkern und einen Wodka ein.

Keinen Schritt weiter gekommen

Heute kann ich von mir behaupten, dass ich keinen Schritt weiter kam als der Rest der neugierigen Verwandtschaft. Aber das könnte auch daran liegen, dass Stefan angetrunken war, als er mir Rede und Antwort stand.

Auf meine Frage hin, ob er wisse, wem wohl dieser rote Schlüpfer bei der Bandsäge gehören mochte, gab er sich unwissend. Meiner direkten Frage (ich habe sie durchaus bewundernd gestellt) danach, ob er was mit dieser Karolina hatte, schien er auszuweichen.

Er könne das nicht so genau sagen, denn er habe etwas getrunken gehabt, und außerdem sei es schon dunkel gewesen. Dann schlief er bei Tisch ein.

Liebes Corona-Tagebuch, ich liebe diese stillen Momente der Erkenntnis und hatte von Stefan bislang immer zu gering gedacht.

Tiefen und Weiten: wahre Genialität?

Nie wäre es mir in den Sinn gefallen, dass er solche Tiefen und Weiten besitzt, denn entweder ist er ein vollkommener Idiot oder ein rhetorisches Genie.“

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