LICHTENFELS

Corona–Tagebuch: Ungewohnte Latein-Expedition

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen lauen Sommerabend... und die lateinische Sprache.

„Liebes Corona-Tagebuch, es war ein Sommerabend, und er war lau. Ein leichter Wind ging, und sie saßen gemeinsam unter einer Linde. Es war im Außenbereich eines Cafés der Lichtenfelser Innenstadt. Hie und da flackerte eine Kerze und alles schien eingelassen mit Romantik. Die Nacht brach herein und nach und nach leerte sich der kleine Biergarten, denn die Gäste gingen heim und das Stimmengewirr schwoll ab und dünnte sich aus. Jetzt endlich konnte man auch hören, worüber die beiden sich so zugetanen Menschen säuselten. Liebes Corona-Tagebuch, wie gerne hätte ich dir von einem Liebesgesäusel erzählt, aber diese beiden Menschen sprachen ernstlich darüber, dass schon Catull (1. Jahrhundert vor Chr.) gesagt haben soll, jemand möge ihm bei Mondschein begegnen und sich doch gleich selber ins Knie und all so etwas. Tatsächlich begeisterten sich der Mann und die Frau für die Frage, wie man korrekt auf Latein übersetzen müsse, dass jemand sich selber f***en solle. Dabei strahlten sie sich an und fanden Gefallen aneinander. Ein Vorschlag lautete auf „Copulare te ipsum!“, aber er wurde schnell wieder verworfen, weil er wohl unpräzise war. Noch lange grübelten der Mann und die Frau sich tiefe Blicke schenkend an einer perfekten Übersetzung und ich glaube, sie werden einander wieder begegnen. So ist das mit der Zuneigung – sie nimmt die kuriosesten Pfade und man weiß nie, an wen man da so gerät.“

 

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