LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Ulrike, die Couch-Arbeiterin

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um die Härten von Corona. Und Kochkünste.

„Liebes Corona-Tagebuch, neulich lernte ich mal wieder die Härten des Lebens kennen. Es begann damit, dass der Brief, den ich an meinen Onkel nach Norddeutschland sandte, zu mir zurückkam. Nanu, wollte der Mann etwa nichts mehr mit mir zu tun haben? Bin ich ihm womöglich peinlich geworden? Oder lag es daran, dass ich beim Adressieren vergaß, die Hausnummer neben die Straße zu schreiben?

Ich überwand mich, an Letzteres zu glauben und so adressierte ich erneut und vollständig, und brachte den Brief wieder zur Post. Mich trieb die Frage um, wieso ein Onkel, der schon seit 50 Jahren in derselben Straße wohnt, auf einmal keinen Brief mehr zugestellt bekommen soll, nur weil die Hausnummer fehlt. Früher gab es Postboten, die haben so einen Brief trotzdem zugestellt, weil sie ihre Pappenheimer kannten und wenn die Straße noch so lang gewesen ist. Als ich aus der Post trat, war der Regen stärker geworden, und es dauerte eine Weile, bis die Ampel auf Rot schaltete. Vor mir stand ein Mann, der mich fragte, ob ich unter seinen Schirm kommen wollte und ich verneinte. „Du hast keinen Schirm“, sagte er mir mit Verweis nach oben.

„Ja, aber ich habe auch keine Frisur“, antwortete ich ihm, gleichfalls mit einem Verweis nach oben. Dann lernte ich von dem Mann, wie schwer ihn Corona gerade trifft. Man muss dazu nämlich wissen, dass er absolut nicht kochen kann und alles, was er sich so erwärmt, bestenfalls fad schmeckt. Zu Nicht-Coronazeiten habe er das in anständigen Lokalen und Restaurants gut verdrängen können. So an die 500 Euro kostete ihn diese Therapie monatlich. Aber jetzt, wo all die Lokale und Restaurants geschlossen sind, ist er seinen Kochkünsten ausgeliefert. Deshalb trifft ihn die Verlängerung des Lockdowns auch umso härter.

Angesichts dieses Schicksalsschlages suchte ich den Mann etwas aufzubauen und sprach ihm davon, wie viel Geld er doch nun gerade wegen Corona sparen könne. Und er sprach mir davon, wie wenig Wert er auf eben dieses Geld legt. Es war heillos. Aber auch irgendwie lustig.“

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