LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Über Lebkuchen und besseres Miteinander

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um Domino-Steine, Spekulatius und Lebkuchen im Supermarktregal. Nein, eigentlich um viel, viel mehr: um den Geister Weihnacht bei locker über 30 Grad Celsius: „Liebes Corona-Tagebuch, seit ein paar Tagen gibt es im Handel Spekulatius und Dominosteine und Lebkuchen, Lebkuchen, Lebkuchen. Ich finde das… großartig! Aber das ist nicht das, worüber ich eigentlich schreiben will. Oder doch? Im Grunde geht es mir darum, wie leicht man sich doch in einem Menschen täuschen kann. Seit ein paar Tagen nämlich (just seit es Spekulatius und Dominosteine und Lebkuchen, Lebkuchen, Lebkuchen in den Regalen gibt) verstehe ich mich ziemlich passabel mit einem Typen, von dem ich immer dachte, der sei schwierig. Und das nur, weil er, wenn er nicht grimmig schaut, zumindest mühselig und beladen blickt. Aber in Wirklichkeit ist es wohl einfach nur so, dass er nicht ohne Grund lacht oder freundlich schaut. Tja, wenn man es genau nimmt, dann verstellt der Knabe sich wohl einfach nur nicht.

Das erklärt auch, weshalb er es ablehnte, aus purer Höflichkeit mit mir zusammen bei abendlichen 32 Grad Celsius einen Schoko-Lebkuchen zu essen. Selbst dann nicht, als ich ihm versicherte, dass sein Rotwein einem Glühwein optisch nicht unähnlich sieht.

Na, ja, vielleicht ist er doch nicht ganz einfach. Aber immerhin verstehen wir uns ganz gut und das nachweislich seit dem Tag, als die die Regale meines Supermarkts mit Spekulatius und Dominosteine und Lebkuchen, Lebkuchen, Lebkuchen befüllt wurden. Vermutlich ist das schon der Geist der Weihnacht, von dem man immer so hört.“

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