LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Traum, Strumpfmaske und Tresorraum

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen Traum, eine Strumpfmaske und einen Teresorraum.

„Liebes Corona-Tagebuch, es ist schon erstaunlich, wie tief und persönlich noch manche Gespräche werden können, wenn man einen alten Bekannten trifft, den man über Jahre hinweg nicht gesehen hat.

Betrunken nach der Schulentlassfeier

Man kann sich freimütig alles sagen, man kann sich auch nach allem fragen und irgendwie ist einem nichts peinlich. So wie bei Patrick und mir. Das letzte Mal als ich ihn sah, da war er betrunken auf der Schulentlassfeier und wir wunderten uns, wie er das nur hinbekommen hatte, weil er Alkohol überhaupt nicht ausstehen konnte.

Nun spazierte er über den Marktplatz, und ich sah ihn und er sah mich. So kamen wir ins Plauschen und erkundigten uns gegenseitig nach den Lebensumständen des anderen. Nachdem wir die Ruinen hüben wie drüben besprochen hatten, wollte ich etwas über seine Träume erfahren. Man soll sich ja noch Träume bewahren und so. So erzählte er mir, dass ihm erst vergangene Nacht träumte, im Tresorraum der Sparkasse gestanden zu haben.

Ein glatter Einbruch?

Gut, man muss schon etwas dafür tun, um im Tresorraum einer Sparkasse zu stehen und in seinem Fall war es ein glatter Einbruch.

Aber was ihn wirklich beschäftigte, war, dass er sich im Nachhinein nicht sicher ist, ob er dabei eine Strumpfmaske auf dem Kopf trug oder nicht. So ein Detail kann ja für eine weitere Lebensführung von geradezu entscheidender Bedeutung sein.

Ihn jedenfalls trieb diese Frage ernstlich um und in mir stieg das Gefühl auf, das Gespräch könnte gerade ein wenig ins Surreale abdriften.

Auch hatte ich den Eindruck, mein alter Schulfreund ist von der Schulentlassfeier noch nicht wieder nüchtern heimgekehrt.

Liebes Corona-Tagebuch, es liegt ein Schatten auf der Vergangenheit und ich glaube, wir haben wohl doch nicht mehr denselben Draht zueinander. Aber man kann nicht sagen, dass es kein zutiefst persönliches Gespräch war.“

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