LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Telefonat mit einer Jugendliebe

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet ein Corona-Tagebuch. Heute berichtet er über ein Telefonat mit einer Jugendliebe und wie schön es ist, in alten Erinnerungen zu schwelgen.

„Liebes Corona-Tagebuch, Ixi hat sich telefonisch gemeldet. Einfach so und nach langer, langer Zeit.

Ihre Stimme klingt noch genau wie damals, als wir 16 waren und beinahe verliebt. Es hielt nur ein Skilager-Wochenende, weil die Jugend einem manchmal vorgaukelt, verliebt zu sein.

Aber als ich ihre Stimme hörte, da durfte ich mich schon sehr wohlig wundern, dass sie sich klanglich so schön konserviert hat. Sie habe einfach nur so angerufen, weil sie mal wieder an mich dachte und wissen wollte, wie es mir so geht.

Damit hat sie mir eine Menge Charakter voraus, denn auch ich dachte dann und wann an sie und rief sie nicht an. Vielleicht ist Corona die Zeit, in der man mal wieder aus den Augen und Ohren geratene Freunde und Bekannte anrufen sollte, um mit ihnen in schönen Erinnerungen zu schwelgen.

So wie in der an den merkwürdigen Französischlehrer unserer Schule. Er fuhr Porsche, und Ixi und ich lackierten ihm die Felgen gelb. Es sah lächerlich aus, und er kam uns nie auf die Schliche.

Aber vor Jahren ist er Ixi zufällig zwischen Aufseßplatz und Bauernfeindstraße in der U-Bahn begegnet, und nach all den Jahrzehnten überkam sie das Bedürfnis, ihm alles zu beichten. Und er erzählte ihr, dass er wegen der Felgen nie wirklich böse war und immer darüber lachen musste.

Liebes Corona-Tagebuch, so war das damals nicht gedacht, denn eigentlich wollten wir ihn zur Weißglut treiben. Aber jetzt, 30 Jahre später, gefiel Ixi und mir dieser Ausgang der Geschichte viel besser. So ist das wohl, wenn man älter wird.“

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