Corona-Tagebuch: Das große Schnattern

LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Taten zählen mehr als Worte

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um die Rettung einer Wespe. Da zählen Taten mehr als Worte.

„Liebes Corona-Tagebuch, bin da in so einem Arbeitsprojekt drin. Wir haben uns einen Konferenzraum im Hotel gemietet. Internet, Flipcharts, Riesenfernseher und sämtliches Pipapo. Nette Leute hier, sehr angenehme Menschen. Manche von ausgesuchter Höflichkeit und sehr bedacht darauf, niemandem zu schaden und das Karma immer schön im Lot zu halten.

Schlechte Taten kommen zurück

Weil schlechte Taten ja auf einen selbst zurückschlagen werden. Eines Tages oder schon heute Abend. Plötzlich beginnt es im Raum zu summen und eine ermattete Wespe fällt zu Tisch. Sie krabbelt weiter, machte eine Pause, krabbelt wieder weiter, summt, brummt und krabbelt erneut. Dann harrt sie aus und wartet offensichtlich auf bessere Zeiten.

Da erhebt sich jemand vom Tisch. Wird er das Biest mit seinem Schuh erschlagen? Oder mit dem großen Lineal? Nein, die Wespe hat Glück. Sachte und langsam nähert er sich ihr und beginnt damit, sie mittels eines Bierfilzes behutsamst in ein Glas zu verfrachten. Kein Flügel soll dem Tierchen gekrümmt werden. Alles am Tisch ist ruhig und bestaunt den Anblick.

Gute Taten gebären gute Schicksale

Er, der davon sprach, dass gute Taten gute Schicksale gebären, ist dieser Retter. Ein mildes und um die ewigen Gesetze des Kosmos wissendes Lächeln umspielt seinen Mund. Mit der Wespe im Glas geht er los, ehrfuchtsvoll und langsam, die Wespe nicht weiter in Aufregung zu versetzen suchend. Wird er mit ihr zum Waschbecken gehen?

Nein, er geht mit ihr zum Fenster und öffnet auch dieses behutsam und beinahe geräuschlos. Er will ihr nicht zusetzen, weil gute Taten ja Gutes nach sich ziehen. Dann, mit einem kleinen Schütteln, sucht der Mann sie aus dem Glas hinauf in luftigere Höhen zu befördern. Das kleine Wespchen bleibt aber am Glasrand.

Vielleicht ist es dort auch festgeklebt, immerhin befand sich ja Cola im Glas und die hat ordentlich Zucker. Der Mann schüttelt wieder für das Karma, doch die Wespe bleibt im Glas. Dann wird sein Schütteln noch heftiger und von den Worten „Los du Drecksau, hau schon endlich ab!“ begleitet, wird die Wespe in aller Ehrfurcht aus dem Glas befördert, um wieder der Natur zugeführt zu werden.

Liebes Corona-Tagebuch, gute Taten sind so wichtig. Wie man so hört, zählen sie auch mehr als Worte.“