LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Markus Häggberg im Rollstuhl

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen Krankenbesuch. Und darum, was Markus Häggberg derweil gemacht hat.

„Liebes Corona-Tagebuch, Krankenbesuche sind ungeheuer wichtig. Es geht um Begegnungen, es geht um Austausch, es geht darum, ein Lächeln mitzubringen und zu spenden, wertvolle Zeit miteinander zu verbringen und sich gut in Erinnerung zu bleiben. Na ja, all so was halt. Da traf es sich ganz gut, dass der Freund meiner Ex operiert wurde und im Krankenhaus in Kronach aufwachte. Den fuhren wir besuchen.

Ich finde ihn ganz passabel, und wie wir so die Stufen zur Klinik hinauf gingen, da kam er uns schon entgegen gerollt. Seit dem Aufwachen ist er durch die Bein-OP auf diese Hilfe angewiesen, und er wird es noch ein paar Wochen bleiben.

Freie und sehr schnelle Fahrt zum Koi-Teich

Da meine Ex mit ihm enger ist als ich, fragte ich ihn, ob ich mir seinen Rollstuhl in der Zeit ihres Rumknutschens mal ausleihen dürfte. Er willigte ein, wechselte etwas umständlich vom Rollstuhl auf eine Bank, und so machte ich es mir in seinem Vehikel bequem.

Mein Ziel war dieser etwas weiter unten gelegene Koi-Teich, und den zu erreichen hatte ich freie Fahrt. Man glaubt gar nicht, wie schnell so ein Rollstuhl sein kann und wie viel Kraft man in den Armen braucht, um rechtzeitig zu bremsen. Zwei Frauen kamen mir auf dem Weg entgegen, und in ihren Blicken stand so etwas wie Verwunderung. Um nicht noch für mehr Irritation zu sorgen, stand ich aus dem Rollstuhl auf und schob ihn vorsorglich lieber. Aber irgendwie schien das die beiden Frauen auch nicht weniger zu irritieren. Komisch.

Von der Monroe, San Francisco und dem Prado

Dann traf ich einen Mann, der mit Kanülen an der Hand Zigarette rauchte und mit dem ich ins Gespräch kam. Wir sprachen nicht viel miteinander, aber wie ich erfuhr, liegen seine Wurzeln in Coruna, und dort wurde er 1959 geboren. Sein Vater war bei der spanischen Marine (Steuermann und Offizier), hat die Monroe gesehen und für zu blass empfunden. Außerdem fand er immer, dass San Francisco die schönste Stadt der Welt ist. Bei der Gelegenheit erfuhr ich auch, dass Madrid noch schöner als Barcelona sei und der Prado einmalig.

Geschwister hat der Spanier auch, und zwar bei Michelau. Aber weil der Kamerad aus Coruna stammt, kam ich auf Fußball und den berühmten spanischen Erstligaklub Deportivo La Coruna zu sprechen. Bald erzählte er mir wiederum, dass der Neffe eines weitläufig bekannten Landsmanns sogar bei Real Madrid spielt.

Ein Gespräch über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens

So redeten wir also über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Dann war die Besuchszeit im Grunde auch schon wieder vorüber, und ich bat den Spanier, dass – wenn er doch eh auf dem Weg nach oben zum Eingang sei – er doch bitte den Rollstuhl mitnehmen und dem Freund meiner Ex aushändigen möge.

Er hat sehr gelacht und sich über das Gespräch gefreut, und wir waren sehr fröhlich miteinander. Und darum geht es doch schließlich bei Krankenbesuchen. Davon, liebes Corona-Tagebuch, bringt mich jedenfalls niemand ab.“