LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Legeres Sitzen und Speiseeis

Markus Häggberg. Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um die Nöte eines Katholiken, legeres Sitzen und natürlich Speiseeis.

„Liebes Corona-Tagebuch, Katholiken haben es auch nicht leicht. Erst neulich rief mich ein alter Bekannter an und klagte über Mutter Kirche. Aber ach, ich will mich nicht ärgern, ich will mich erinnern. In diesem Falle darf ich es sogar, denn ich begegnete erst jüngst einem weiteren Bekannten, der mich auf etwas hinwies, das wir einst gemeinsam erlebt haben. Und es passt auch genau in die jetzige Zeit, immerhin beginnt nun bald die Freiluft-Café-Saison, in der man also draußen sitzt, entspannt seinen Cappuccino schlürft und den lieben Gott einen guten Mann sein lässt. Vielleicht hat man die Sonnenbrille auf, blättert in einem Buch oder schaut Frauen nach. Um mich nicht dem Verdacht auszusetzen, nach Zeilenanzahl bezahlt zu werden, komme ich nun zum Punkt. Genauso saßen wir nämlich vor zwei Sommern auf dem Marktplatz, löffelten unser Eis und ergaben uns dem süßen Nichtstun. Doch während ich züchtig mit geschlossenen Beinen dasaß, ließ mein Bekannter ein Bein über die Stuhllehne hängen.

Ein Bein, welches über der Stuhllehne hängt, ist nicht selten ein baumelndes Bein. Man muss mit einem solchen Bein schon gepflegt lässig baumeln, will man mit ihm nicht ein jämmerliches Bild von Fahrigkeit oder Übersprungshandlung abgeben. Alles nicht so einfach. Also jedenfalls baumelte mein Bekannter mit gespreizten Beinen so vor sich hin, da wurde er von einer Passantin angesprochen, die sein „Verhalten unmöglich“ fand. Die Frau nahm Anstoß an der Sitzhaltung, die sie für ordinär und lasziv oder beides hielt. Das gehöre sich nicht in der Öffentlichkeit, erklärte sie und leckte an ihrem Waffeleis.

Dass das Bein meines Bekannten gepflegt lässig und somit stilvoll baumelte, schien ihr völlig entgangen zu sein. Mein Bekannter eröffnete der Frau nun, dass dem Reinen alles rein sei und sie eine unanständige Fantasie habe. Darüber hinaus erklärte er ihr auch, dass er sich mit dieser Sitzhaltung in prominenter Gesellschaft befinde, denn auch der einstige Vorsitzende der Glaubenskongregation und spätere Papst Benedikt XVI., Kardinal Joseph Ratzinger, wurde schon so leger sitzend in römischen Cafés bei Interviews angetroffen (kann ich bestätigen, es gibt Filmaufnahmen des Bayerischen Rundfunks).

Ja, er habe sich diese Sitzhaltung überhaupt nur angewöhnt, weil er Ratzinger so habe sitzen sehen. Die Frau mit der Eiswaffel schien wenig überzeugt. Während sie ihr Eis leckte, blieb sie echauffierte und stemmte eine Hand in die Hüfte. Dann schüttelte sie den Kopf und rief noch etwas hinterher. Tja, man hat es auch als Katholik nicht leicht. Liebes Corona-Tagebuch, dachte, ich schreibe mal über so ein Thema. Immerhin geht ja jetzt die Eissaison los.“

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