LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Lautstarke Prinzessin im Zugwaggon

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um die zwei Gesichter eines Menschen. Und eine Überraschung.

„,Die Menschen haben alle zwei Gesichter', hat meine Oma immer gesagt. Weißt du, liebes Tagebuch, sie musste es wissen, sie hatte ja selbst zwei. Jedenfalls empfiehlt sich bei einem Kennenlernen immer, auch die Kehrseite eines Menschen noch in Betracht zu ziehen.

Das klappt nicht immer sofort, und manchmal muss man sich glatt häufiger begegnen. Aber manchmal besteht dazu keine Möglichkeit, und dann ist man direkt aufs Glück angewiesen. So ging es kürzlich in der Bahn zu. Also, es war weit nach 22 Uhr, und ich war schon reichlich müde.

Fidel und kein bisschen leise

Doch die zwei Meter entfernt stehende tätowierte junge Frau hatte wohl noch Nachmittag und zeigte sich fidel. Vor allem aber mitteilsam. Sie rief wen an und brüllte: ,Hallo, seid ihr noch wach oder seid ihr net wach – was tut'n ihr?' Ob sich die Angerufenen freuten, kam nie heraus.

Aber die am anderen Ende des Waggons seit Forchheim schlafende ältere Dame war jetzt jedenfalls wach. Sie klagte.

Die junge Frau motzte. Dann wählte sie eine andere Nummer. Sie sagte: ,Hopp edzerdla, seid noch a weng wach, ich kumm.' Der Dialekt war noch das Wenigste, aber sie sagte es halt wahnsinnig laut. Ein anderer Fahrgast klagte. Dieselbe junge Frau motzte. Ich war schon drauf und dran, ein falsches Bild von der Frau zu bekommen.

Die Oma hatte völlig recht

Aber dann kam der Bahnhof, und die Frau stand auf, lief an uns vorüber, und so sahen wir, was auf ihrem Rucksack stand: ,Sag einfach Prinzessin zu mir.' Jetzt war auch ich beruhigt. Wie leicht hätte ich mich in ihr getäuscht. Oma hatte wirklich recht.“

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