LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Keine wahre Mater Dolorosa

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagbuch. Heute geht es um wahre Schönheit.

„Liebes Corona-Tagebuch, dann und wann kommt es vor, dass man auf ein Frauengesicht stößt, das einen ungewöhnlich zu fesseln vermag. Dann steht man vor der Frage, was Schönheit eigentlich ist.

Mit einem guten Freund bin ich in dieser Frage darin übereingekommen, dass ein Gesicht an Schönheit gewinnt, wenn es zudem noch interessant ist. Denn oft sind schöne Frauengesichter so makellos schön, dass man an ihnen abrutscht und die Erinnerung an sie in dem Moment endet, in dem sie um die Ecke biegen. Einem schönen Gesicht muss also noch mehr anhaften als profane Ebenmäßigkeit und ein schöner Mund.

So ein Gesicht gibt es in Lichtenfels, und es gehört einer jungen blonden Frau. Doch besonders beeindruckend ist der Blick, dem dieses Gesicht Heimat zu geben scheint, und er ist von so etwas wie einem entrückten, mitunter schmerzhaft wirkenden Ernst. Es ist wie das Gesicht einer Mater Dolorosa, und eben das gebietet staunenden Abstand.

Wie gerne hätte ich diesen Eintrag mit der Bemerkung beendet, dass ich diesem Gesicht wünsche, es möge ohne schmerzlichen Grund so ernst dreinblicken (was ich ja auch tue), aber es hat sich etwas ergeben. Denn neulich habe ich dieses Gesicht auch lachen gesehen, und dass es das wie alle anderen Gesichter auch konnte, hat mich zwar gefreut, aber es hat es auch irgendwie vom Sockel geholt.

Liebes Corona-Tagebuch, es ist schon erstaunlich, was uns Menschen so alles beim Ausräumen des Geschirrspülers in den Sinn kommt.