Corona-Tagebuch: Das große Schnattern

LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Kaffee, Stolpern und Nachtschicht

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um folgende Schlagwörter: Kaffee, Stolpern, Nachtschicht.

„Liebes Corona-Tagebuch, heute schien es endlich soweit zu sein: nix los, nix zu berichten, nix zu verdienen. Hm. Wat nu? Kaffee trinken! Nicht dort, wo man dafür bezahlen muss, sondern dort, wo man nix dafür bezahlen braucht. Bei Freunden.

Philipp ist so einer. Ein ewig langer Lulatsch mit Nachtschicht, Spätschicht oder Frühschicht. Man weiß praktisch nie, in welchem Zustand man ihn antrifft, wenn man unangemeldet bei ihm klingelt. Als er mir öffnen musste, weil ich Sturm klingelte, da wirkte er eher unausgeschlafen, was wohl für Nachtschicht sprach. Aber weil ich ihm mal für ein Bewerbungsgespräch einen hilfreichen Tipp gab, lässt er mir mein Klingeln durchgehen. Der Kaffee, welchen er einem aufbrüht, ist kein echter Kaffee, sondern malzgesunder Landkaffee. Eine Köstlichkeit, die leider zu unbekannt ist und mit Vanillemilch besonders zur Geltung kommt. Mit Vanille-Mandelmilch hingegen eher weniger.

Also er schlappt so in seinem Morgenmantel samt Pyjama in die Küche und nach dorthin, wo der Wasserkocher wohnt, während ich es mir vor seinem Fernseher gemütlich mache. Ich kenne dort die meisten Sportprogramme und Einstellungen, was uns schon spannende Feierabende zwischen Fußball, Tennis und den Highland Games bescherte. Also ich saß so da und schaltete zappend herum, da kam Philip mit Tablett ins Zimmer.

Nun ist es so, dass seine langen Schlafhosen durchaus Löcher und Risse besitzen und in einem solchen Loch verfing sich sein rechter großer Zeh. Er stolperte, er fiel, und er vergoss den Landkaffee. Was für ein philosophisches Bild das doch war, liebes Corona-Tagebuch. Denn sind es nicht oft die kleinen Dinge, die große Männer zu Fall bringen? Na jedenfalls sah der Fußboden völlig versifft aus und überall klebte es. Ich entschied mich zu gehen und ließ Philipp aufräumen und aufwischen, damit er so bald wie möglich wieder ins Bett konnte. Der Mann hatte immerhin Nachtschicht, er brauchte schließlich seinen Schlaf.“