LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: John Wayne und die Rechnung

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen nicht ganz alltäglichen Amtsbesuch.

„Liebes Tagebuch, vor Tagen war es mal wieder so weit und ich war in einer Behörde. Und wie das eben so ist, man sitzt so rum, wartet bis der Sachgebietsleiter für einen Zeit hat und beschaut sich Menschen. Wobei, das stimmt nicht, man kann sich die Menschen nicht einfach so beschauen, das ist unhöflich. Man muss schon warten, bis sie wegschauen, damit man hinschauen kann. Zur Abwechslung schaut man dann auch mal an die Decke, hinüber zur Deckenlampe oder zu den Schildern, die so von Abstand halten reden. Oder davon, dass man im Alarmfall unbedingt Ruhe bewahren möge.

Fiepend und schrill zugleich

Und sollte einem ganz langweilig werden, kann man zwischendurch auch mal aufstehen, zu einem Desinfektionsmittelspender gehen und etwas Handhygiene betreiben. Plötzlich ein Klingeln auf dem Flur, oder mehr so ein Wihuwihuwihu. Es klang irgendwie fiepend und schrill zugleich. Aber vor allem laut und doch leicht metallisch.

Klarer Fall: Das war Alarm! Jetzt hatte ich Grund, die Leute ganz unverblümt anzuschauen. Denn bei Alarm will ja jeder wissen, wie es weitergeht, und das kann man ja vielleicht auch im Gesicht seiner Nächsten erkennen oder daran, ob sie aus dem Fenster springen, sich auf den Boden werfen oder gesittet in Reih und Glied treppabwärts gehen.

Der Mann mir gegenüber jedenfalls steckte sich bei dem Lärm die Finger in die Ohren und blieb ansonsten unbeeindruckt. Der ihm nächst gelegene Mensch blickte umso verbissener in seinen Laptop und die Frau links von mir füllte in gleichmäßigem Tempo einen Antrag aus. Ansonsten blickten noch zwei Senioren dezent um sich, und ein Kind verfiel zum Wihuwihuwihu selbstversunken in einen Tanz. Auf diesem Flur herrschte keine Aufregung, dem Schild wurde unbedingt Folge geleistet. Man könnte sogar sagen, die Leuten waren vorbildlich.“

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