LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: In Höhe Ebensfeld gibt es Tomate

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um eine Bahnfahrt mit spendablen Vegetariern.

„Liebes Tagebuch, Corona hat unsere Gesellschaft womöglich nicht nur aus der Kurve geworfen, es hat Teile von ihr auch wieder in die Spur gebracht. Man begegnet ihnen als Ausflügler in Eisenbahnen, als Menschen mit kultiviertem Familien- oder Freundschaftssinn. Vor allem erkennt man sie daran, dass sie Frischhalteboxen dabei haben und darin ihr geschnippeltes Gemüse mit sich führen.

Die Schätze in der Frischehalte-Box

Na, und wie ich mich letztens so beruflich auf den Weg nach Nürnberg machte, da geriet ich in die entspannte Atmosphäre von Leuten, die sich sehr vegetarisch ernährten. Dabei durfte ich feststellen, dass, wenn man in Nachbarschaft zu solchen Leuten sitzt und nur lange genug auf eine ihrer Frischhalteboxen schaut, dies enorm die Chance erhöht, aus ihr auch etwas angeboten zu bekommen.

Ich für meinen Teil schaute sehr lange. Und sehr traurig. Schon in Ebensfeld bat man mich, doch bei einem Tomatenstück zuzugreifen und ich markierte Zögerlichkeit. Dann, auf Höhe von Zapfendorf, fragte man mich, ob ich ein geschältes oder ungeschältes Apfelstückchen haben möchte. Da ich nicht zu den Menschen gehöre, die unnötig Umstände bereiten wollen, begnügte ich mich mit dem ungeschälten.

Fairen Tausch vorgeschlagen

Bei dem Stück Banane nahe Breitengüßbach aber bot ich den fairen Tausch an, man möge mich damit verschonen, weil es doch schon angeschwärzt war, und mir stattdessen das Radieschen reichen. Auch die beiden mir zwischen Bamberg und Hirschaid angebotenen Erdbeeren musste ich zu meinem Bedauern ausschlagen, weil sie an zwei Stellen schon etwas weich waren.

Um nicht den Anschein zu erwecken, mäkelig zu sein, schlug ich vor, mir stattdessen doch zwei Stückchen Birne anzubieten, was allgemein begrüßt wurde. Als dann hinter Buttenheim zur Abwechslung mal eine Box mit Schokoladenstückchen rumging, griff ich mit Bedauern zu. Ich mag dunkle Schokolade nicht so sehr und offenbar sah man mir das an. Was soll ich sagen, ich kann mich halt nicht verstellen.

Hinter Eggolsheim hervorragende Weintrauben

Jedenfalls erhielt ich zum Ausgleich für die dunkle Schokolade auch eine Rippe Vollmilchschokolade (Lindt) und teilte sie mir bis Eggolsheim gut ein. Hinter Eggolsheim aber gingen Weintrauben rum, und da sie wirklich prächtig aussahen, wagte ich, mich am Verzehr zu beteiligen.

Dann kam auch schon bald Forchheim, und die Ausflügler mussten aussteigen. Das war mir gar nicht unrecht, denn im Grunde war mir jetzt schon etwas nach Verdauungsschlaf.

Mit der an andere Passagiere gerichteten Bitte, mich kurz vor Nürnberg zu wecken, fand ich endlich meine Ruhe.“

Rückblick

  1. Corona-Tagebuch: Wen man so alles im Zug trifft
  2. Corona-Tagebuch: Im Spiegel sieht man nur sich
  3. Wandern: Seelenlandschaft und Lungenwellness
  4. Corona-Tagebuch: Endlich mal Zeit für die Familie
  5. Corona-Tagebuch: Wenn der Traum zum Albtraum wird
  6. Verpa Folie in Weidhausen sagt dem Virus den Kampf an
  7. Die Thermenkönigin im Interview: Ihre Majestät und Corona
  8. Coronna-Tagebuch: Wenn man den Geschmack verliert
  9. Coronna-Tagebuch: Leider verspätet
  10. Terrainkurweg: Grandiose Aussicht als Belohnung
  11. Bamberg als Leuchtturm der Digitalisierung
  12. Corona-Tagebuch: Zwei Cowboys im Sonnenuntergang
  13. Helikopter am Obermain: Hilfe für Vögel kommt aus der Luft
  14. Corona-Tagebuch: Busfahrer und die Weiblichkeit
  15. Wandern: Über Stock und Stein zur Querkeleshöhe
  16. Corona-Tagebuch: Ein Glückskeks sagt immer die Wahrheit
  17. Corona-Tagebuch: Zwei Cowboys im Sonnenuntergang
  18. 100 „G'schichtla vom Bänkla“ in Oberfranken
  19. Metzgermeister Julian Geldner: Das Handwerk hat Zukunft
  20. Corona-Tagebuch: Letzter Abschied mit einem Whiskey
  21. Suzan Baker musiziert mit Senioren: Echte Hits rosten nie
  22. Suzan Baker musiziert mit Senioren: Echte Hits rosten nie
  23. Corona-Tagebuch: Grüße von der Gartenparty
  24. Corona-Tagebuch: Von Werten und Respekt
  25. Pflegebonus am Obermain: Wertschätzung mit Abstrichen
  26. Corona-Tagebuch: Wenn die Liebe kalt wird
  27. Diözesanmuseum Bamberg: Kaisermantel und romanische Schätze
  28. Kulmbach: Die Geheimnisse des Bierbrauens
  29. Ruhe sanft mit „Baby Balla Balla“
  30. Familen-Wanderung: Die ersten Herbstboten begrüßen
  31. Marco Weidner: Corona trifft Häftlinge in Kronach hart
  32. Corona-Tagebuch: Es lebe die Verschwörungstheorie
  33. OT-Tagebuch: Die Sache mit der Miete
  34. Bamberger Museen profitieren von Coronahilfe
  35. Schach: Endlich Corona schachmatt setzen
  36. Falsches Buch, falsches Detail, falsche Frau?
  37. Verrückte Zeiten im Lichtenfelser Tierheim
  38. Corona-Tagebuch: So hinterlistig kann das Virus sein
  39. Wandern am Obermain: Lernen und Baden am Rudufersee
  40. Obermain–Grill: So saftig, da schmilzt selbst der Käse dahin
  41. Corona-Tagebuch: Aus heiterem Anlass eben
  42. Gottesdienst in Michelau: Ein Picknick, das Hoffnung gibt
  43. Corona-Tagebuch: Lautstarke Prinzessin im Zugwaggon
  44. Open Air mit „Klangfeder“ in Burgkunstadt
  45. Corona-Tagebuch: Da hätte selbst Kafka gestaunt
  46. Kursbeginn: Im Haus Marteau klingt es meisterhaft
  47. Familienwanderung: Auf den Spuren leiser Jäger
  48. Corona-Tagebuch: Männer haben es auch nicht leicht
  49. Onkel, Ingenieur und das liebe Corona–Tagebuch
  50. Hochschule Coburg: Experimente quasi „to go“

Schlagworte