LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: In der Hitze liegt Ruhe, aber nicht Kraft

Markus Häggberg. Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Dieser Tage kommen seine Zeilen aus Polen. Heute geht es um ein wenig Gemütlichkeit. Oder eher doch um das Ausharren? Auf jeden Fall um kühles Bier. Und mal wieder: Unterhosen.

„Liebes Corona-Tagebuch, es ist ein quälender Tag, denn es ist Kattowitz und erdrückend heiß. Es ist kein Tag, an dem man Pläne für Ausflüge oder irgendwelche Aktivitäten macht. Denn über allem liegt ein hier unausgesprochenes Abkommen, die Zeit bis zum nächsten Frühstück zu verdösen.

Nicht mal für das Ankleiden hat es hier richtig gereicht, denn da heute wenige Besucher und keine Frauen im Haus sind, genügen Boxershorts und Bierflasche dem Dresscode völlig. Die Zeit klebt wie Sirup auf dem Zifferblatt. Selbst wenn jemand ein Thema zu besprechen hätte, fände er keine Zuhörer. Wichtig ist es in solchen Momenten, das uninspirierte Schweigen männlich auszuhalten und kein schlechtes Gewissen wegen mangelnder Mitteilsamkeit aufsteigen zu lassen.

Onkel Horst, Onkel Walter und ich sehen den Tag als meditatives Geschenk, und sollte der plappernde Onkel Christof hier auftauchen, würde er in gemeinsamer Gewaltanstrengung gewiss ersäuft werden. Das Thermometer steigt, jeder hängt seinen Gedanken nach und jeder weiß, wo im Teich das Bier zur Kühlung liegt. Ein Nachbar ruft herüber und Onkel Horst zieht sich mit seinem Oberkörper in den Schatten zurück, den ein Kühlschrank auf der Veranda wirft.

Der Nachbar wird leiser

Onkel Walter und ich sitzen auf der Verandacouch und können vom Nachbarn gesehen werden, aber wir haben die Augen geschlossen und geben zu schlafen vor. Irgendwann wird der Nachbar leiser und beginnt damit, seinen Rasen zu sprengen. Eigentlich wäre jetzt Zeit für Zähneputzen, aber wer macht den Anfang? Und doch herrscht rege Betriebsamkeit auf der Veranda und an der Couch, denn Wespen haben sich dort im Inneren einen Unterschlupf geschaffen, und ich sitze nur 20 Zentimeter von der Einflugschneise zu der Ecke entfernt, die Einlass ins Couchinnere gibt.

Ich kalkuliere, dass, wenn ich regungslos sitzen bleibe, mir nichts geschehen wird und hektische Bewegungen – St. Lethargius stehe mir bei! - habe ich bis morgen früh ohnehin nicht vor. So sitzen wir da, drei Männer in Unterhosen und mit fragwürdiger Hygiene, ein wenig umschwirrt und wissend um die Schätze, die der zwei Meter entfernte Gartenteich birgt. Herrlich. Liebes Corona-Tagebuch, Kattowitz ist ein schöner Ort und ich fange an, Verwandtschaft für erträglich zu halten.“

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