LICHTENFELS

Corona–Tagebuch: Hosenträger und zerbrochenes Vertrauen

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Dieses Mal geht es um einen sehr schweren Stilbruch. Hätte unser Autor einem Freund doch nie unter das Sakko geguckt.

„Es gibt Momente, da gehen einem die Augen auf. Mit einem Mal wird einem klar, wie die Dinge um einen stehen. Ich schreibe das nur, weil ich immer viel von Jochen hielt. Jochen war mir Freund, mehr sogar, mein Mentor. Stets blickte ich zu ihm auf, und gab er mir einen Rat, so nahm ich ihn an. Wir aßen miteinander, wir sprachen über Rotweine, über Politik und manchmal über Frauen. Manchmal sogar besoffen. Dann zog Jochen weg.

Vor wenigen Tagen aber war ihm nach der alten Heimat, den lange nicht gesehenen Straßenzügen. Und sogar nach mir. Mit Maske klingelte er an meiner Tür, aber ich habe ihn gleich erkannt. Er trägt immer noch dieselben Schuhe. So weit, so gut. Aber dann kam da dieser Moment, der so furchtbar ernüchternd war. Jochens Sakko verrutschte und gab den Blick auf etwas Unerhörtes frei.

Ganz, ganz, ganz übel

Es war so abgrundtief übel, dass ich jede Hoffnung verlor, dass es je wieder so werden könnte wie früher. Liebes Tagebuch, mein Jochen trug gleichzeitig Gürtel und Hosenträger. Spätestens seit ,Spiel mir das Lied vom Tod‘ wissen wir doch alle, was es mit solchen Menschen auf sich hat.

Was war es doch gleich, das Bösewicht Henry Fonda im Film über den Mann mit Gürtel und Hosenträger sagte: ,Man kann einem Mann nicht trauen, der sich 'nen Gürtel umschnallt und außerdem Hosenträger trägt – einem Mann, der noch nicht einmal seinen eigenen Hosen vertraut.‘

Mir fiel es wie Schuppen aus den Haaren – Jochen hat mich also all die Jahre getäuscht und hinters Licht geführt.“

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