Corona-Tagebuch: Das große Schnattern

LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Horst braucht einen Plan B

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um Horst. Und seine Frau. Und um ihre unterschiedlichen Vorstellungen von Horsts Ruhestand.

„Liebes Corona-Tagebuch, Horst hat Kummer. Und obendrein hat er auch Sorgen. Den Kummer hat Horst wegen der Vergangenheit, die Sorgen hingegen wegen der Zukunft. Er ist da unverschuldet in was reingeraten und es wird drängender und greift nach ihm. Man nennt es Alter und Rente.

Früher, tjaha früher, da war er im Job aktiv. Der Job, der war nicht nur ein Job, der war für ihn immer ein Beruf. Er war aktiv, konnte gestalten, Richtungen mitbestimmen und all das, was kleinen Jungs halt Freude macht.

Mit der schönen Zeit ist es nun bald vorbei. Horst hätte gar nichts dagegen, jetzt zum Ruhestand hin mal so ein bisschen die Beine hochzulegen und die Früchte all der vielen Arbeit zu genießen. Wenn da nur nicht seine Frau wäre. Die steht nicht so auf seinen Ruhestand und die steht nicht so auf Reisen oder Sonne, Strand und Südsee. Was sie mag, ist mehr so daheim sein und das Haus schön machen. Sie hat da mal einen Plan gemacht und eine Liste aufgestellt, und laut dieser gibt es noch Fliesen zu legen, Rasen zu mähen, Holz zu hacken, eine neue Küche (Horst selbst braucht keine neue Küche) einzubauen, den Gartenteich zu säubern, das Heckenschneiden, den Austausch dieser einen ärgerlich beschädigten Dachziegel und vor allem den Fensterputz zum nun beginnenden Frühjahr hin.

Liebes Corona-Tagebuch, eigentlich hat sich Horst ja auf seinen Ruhestand gefreut und wenn er von Ruhestand sprach, dann meinte er auch Ruhestand. Aber jetzt hat er mal leise in der alten Firma angefragt, ob er sich nicht doch auch nach seiner aktiven Vollzeit aktiv in Teilzeit einbringen könnte, so für Lieferfahrten oder Mitarbeiterschulung. Er braucht jetzt dringend einen Plan B, und wie man hört, wird sein Angebot gerade firmenintern besprochen. Es gibt Befürworter, aber auch Ablehner. Es ist halt alles lediglich in der Schwebe, lediglich in der Schwebe. Und nichts, liebes Corona-Tagebuch, macht so viel Kummer wie das Ungewisse.“