LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Hoffnung für die Welt

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Dieses Mal verrät er, warum er Hoffnung hegt für diese Welt. Loriot hat damit zu tun. Und, erstaunlicherweise, der Pschyrembel.

Liebes Tagebuch, neulich, ich saß am Marktplatz, rührte so in meinem Kaffee und schaute von meinem Tisch aus hinauf zum Oberen Tor, da empfand ich eine gewisse Leere. Es war keine bedrohliche Leere, sondern nur eine fragende. Was die Leere so fragte, kann ich aber auch nicht so genau sagen, denn es gibt bessere Zuhörer als mich, und außerdem nuschelt die Leere oft.

Von der Unterwelt über das Über-Ich zur Heizkostenabrechnung

In solchen Momenten rührt man mechanisch in seinem Kaffee und fragt sich, was von der Welt als Aufenthaltsort zu halten ist. Und wie ich also so vor mich hinrührte, da fragte mich eine Dame, ob an meinem Tisch noch Platz sei. Ich nickte und hatte eine Sekunde später jemanden gegenüber sitzen, der mir problemlos die Sicht auf das Obere Tor verdeckte.

Wir gerieten in einen unverbindliches Pläuschchen über Kaffee, Gott, die Welt, die Unterwelt, das Über-Ich und die letzte Heizkostenabrechnung. Nichts schien darauf hinzudeuten, dass ich noch beschenkt werden könnte. Dann aber erzählte mir die Dame von einer Erstaunlichkeit. Sie ist in der Medizin tätig, und darum fiel ihr der Pschyrembel in die Hände, jenes berühmte klinische Fachwörterbuch mit seinen knapp 2000 Seiten. Sie fragte mich, ob ich den Pschyrembel auch kenne, und ich gestand ihr, dass ich ihn in weiser Voraussicht kaufte, um später mal zum Hypochonder heranreifen zu dürfen.

„Petrophaga lorioti“ zwischen Darmbein und Wacholderbeere

Was ich aber nicht wusste, war, was mir die Dame zu Seite 1582 (259. Auflage des Verlags de Gruyter) berichtete. Unter all den Einträgen zu Darmbein, Alterspigmentierung, Halsgrenzstrangblockaden oder dem medizinischen Wert der Wacholderbeere findet sich auch Loriots Steinlaus. Hää? Wie bitte? Ja, in der Tat, sagte die Dame und sprach von „Petro-phaga lorioti“. Das wollte ich jetzt genauer wissen und hatte nun keinen Blick mehr für das Obere Tor.

Die Dame erklärte mir, dass es vor Jahren mal einen Setzer gab, der meinte, dass die 30 000 seriösen Einträge doch locker eine unseriöse Ausnahme verkraften würden. Und immerhin lasse sich die Steinlaus doch bei der Behandlung von Nierensteinen, Gallensteinen oder Blasensteinen einsetzen. All das habe er wohl ohne Absprache mit dem Verlag ins Buch gebracht, und darum sei er in Absprache mit dem Verlag geflogen.

Unseriöser Bestandteil eines seriösen Buches

Dann habe es wieder eine bereinigte Folgeausgabe gegeben, gegen die dann aber Ärzte und Apotheker Sturm liefen, weil sie die Steinlaus vermissten. Das wiederum bewog den Verlag, den medizinischen Wert der Steinlaus wieder in die nächste Ausgabe aufzunehmen. Und jetzt ist sie fester unseriöser Bestandteil eines seriösen Buches.

Ich rührte zwar immer noch in meinem Kaffee, aber meine Leere war jetzt ein bisschen mit der Ahnung angefüllt, dass für eine Welt, in der solche Geschichten möglich sind, noch Hoffnung besteht. Das änderte aber nichts daran, dass das Obere Tor weiterhin verdeckt blieb.

Rückblick

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