LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Herzschmerz und unerwartete Schützenhilfe

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Jüngst musste Markus Häggberg schweren Herzschmerz trösten. Das klappte, dank unerwarteter Schützenhilfe. Aber dann war da noch eine wichtige Sache...

Liebes Corona-Tagebuch, es ist schon eigenartig, wie sich die Dinge in schwülen Sommernächten klären. So ging es jüngst auch Anja. Ein bisschen angesäuselt kam sie mir am Oberen Tor entgegengewackelt und als ich zur Turmuhr blickte, war es 23.30 Uhr. Ihr aktuell größtes Problem heißt Michy, und Michy ist doof. Und wie. Er weiß gar nicht, was er an ihr hat, er weiß nur, dass er Abstand braucht.

Darum telefoniert er mit ihr auch nur einmal pro Tag und belässt es ansonsten bei Emails. Freunde haben Anja gesagt, dass ihr Michy eine neue Freundin habe, aber dieselben Freunde haben ihr jetzt auch gesagt, dass sie sich diesbezüglich nun doch nicht mehr so sicher sind. Anja ist am Boden, hat geweint und mich gefragt, wieso sie immer an so komische Typen gerät. Ich schlug Anja vor, dass wir uns doch erst mal setzen sollten und deutete auf das Mäuerchen am Floriansbrunnen.

Wenig später hockten wir dort, blickten in den Nachthimmel und lauschten der Stille. Es ist gar nicht so leicht, in solchen Momenten die richtigen Worte zu finden. Was könnte trösten? Was klingt nicht nach Phrase? Und vor allem: Wie haben eigentlich die Bayern heute gespielt? Eine Weile lang ist so ein gemeinsames Schweigen ja okay, aber irgendwann will man ja auch mal was zu hören bekommen, schließlich hat man ja nicht alle Tage Liebeskummer.

Und dann droht es peinlich zu werden, dann droht die Stimmung zu kippen. Also sagte ich ,Du (das tue ich immer, wenn ich einen Namen vergessen habe) bist so eine tolle Frau, der Kevin, der wird bestimmt ...' - weiter kam ich nicht. Denn nun torkelte eine Frau an uns vorüber, das Handy am Ohr und ordentlich Dezibel in der Wut. Sie schrie: ,Du bist so ein verdammter Arsch, du denkst immer nur an dich, ich will meine 50 Euro zurück, verdammt noch mal. Ich mach' den Scheiß mit dir nicht mehr mit, du bist das Letzte.' Sie schrie noch mehr, aber das war so ungefähr der Kern des Ganzen. Anja (heute morgen ist mir ihr Name wieder eingefallen) und ich sahen der Frau noch lange verdutzt nach, dann drehte Anja mir langsam ihren Kopf zu und sagte: ,Und ich dachte, ich hätte Probleme, aber wenn ich das hier so mitbekomme ...' Wir blickten uns in die Augen und lächelten uns an. Dabei bemerkte ich, wie hübsch sie ist. Dann sahen wir zu dem Sternenhimmel hinauf und schwiegen gemeinsam noch ein bisschen in die Nacht hinein. Es war warm und es war Sommer und es ging ein leichter Wind.

,Mir dir kann man echt gut reden', sagte Anja. ,Ich weiß', sagte ich bescheiden. Dann ging jeder von uns seiner Wege. Als ich daheim angekommen war, dachte ich noch etwas länger über den Vorfall nach.

Dann aber stieg in mir das Gefühl auf, dass das nicht der richtige Abschluss für diese Nacht und das Erlebte war, und dass ich noch unbedingt etwas Wichtiges nachholen sollte. Ich zögerte erst, aber dann griff ich doch zu meinem Handy, schaltete es ein und … na also, da stand es ja schon schwarz auf weiß: Bayern München trennte sich von Borussia Mönchengladbach mit 1:1.“

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