LICHTENFELS

Corona–Tagebuch: Halbherzige Raufbolde

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um die fäusteschwingende Jugend: „Liebes Corona-Tagebuch, neulich sah ich von meinem Fenster aus, wie zwei etwa 14-jährige Jungs beinahe eine Prügelei miteinander gehabt hätten. Hach ja, da kommen Erinnerungen an die eigene Kindheit hoch – wir spielten im Wald, machten Lagerfeuer und dann und wann prügelten wir uns eben auch. Aber eine Prügelei von damals ist mit einer heutigen Prügelei nicht mehr zu vergleichen. Das fängt schon bei der B-Note an. Die beiden Jungs unter meinem Fenster waren irgendwie ratlos beim Raufen, deshalb kam die ganze Sache ja nicht so recht in Schwung. Immer wieder suchte der eine Junge dem anderen Jungen eine mitzugeben, immer wieder aber blieb diese Bemühung irgendwie ungelenk und ohne Schmackes. Der andere Junge war aber auch nicht besser. Denn auch er konnte ganz schön böse gucken und war fast nahe dran, seinen Gegner beinahe mal zu treffen. Doch im letzten Moment war das mit dem Schwung passé, weil schon die Richtung nicht mehr so ganz stimmte. Immerhin sah man beiden Jungs richtig an, dass sie ordentlich Wut aufeinander hatten. Passiert ist – Gott sei Dank – nichts.

An der ,guten' Absicht dazu hat es jedenfalls nicht gemangelt. Es war halt eher diese Sache mit der B-Note. Denn hätten die Jungs nur ein einziges Mal ihre Handys aus ihren jeweils anderen Fäusten gelegt, so hätte das Ganze auch anders ablaufen können. Mit mehr Schmackes und so. Aber wenn man sich selbst beim Prügeln unbedingt mit dem Handy filmen muss, dann ist das halt alles wirklich nicht so einfach.“