LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Gute Wünsche für den lieben Gott

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um eine alte Dame, und was sie Gott wünscht.

„Liebes Corona Tagebuch, der liebe Gott ist ja ein bisschen mysteriös. Er ist hoch und heilig, und niemand weiß, wie er aussieht. Es heißt auch, man solle sich keine Vorstellung von ihm machen. Irgendwann, wenn unsere Zeit gekommen sein wird, würden wir schon eine Vorstellung von ihm bekommen.

Da wollte es jetzt beispielsweise der Zufall (sofern es Zufälle gibt), dass ich jüngst auf dem Marktplatz beim Gemüsestand mit einer netten älteren Dame ins Quatschen kam. Es sollte ein Gespräch über Gott und die Welt werden, aber so weit kamen wir gar nicht, denn wir blieben thematisch schon bei Gott hängen. „Ist es nicht eigenartig, dass wir zu Gott immer um seine Gunst und Glück und dies und das beten?“, sagte die ältere Dame. Sie vergaß aber auch nicht anzufügen, dass Gott es immerhin selbst so wolle.

Irgendwann, so die freundliche ältere Dame, habe sie sich aber auch mal selber eine Frage gestellt. Sie lautete: „Warum wünschen wir dem lieben Gott eigentlich nicht auch mal was Gutes?“ Und weiter: „Er hat es ja nicht nötig, aber wünschen kann man's doch.“

Seitdem wünsche sie auch zurück. Frühmorgens wünsche sie ihm nach dem Gebet auch einen guten Morgen, und unterm Tag wünsche sie ihm, dass er auch Freude am Sonnenschein haben möge, die Sonne sei immerhin seine Erfindung. Und am Nachmittag, wenn sie ein Nickerchen mache, wünsche sie ihm, dass auch er mal Ruhe fände. Sorgen habe er ja schließlich zur Genüge. Im Grunde fände sie immer einen Anlass, auch ihm Freude zu wünschen.

Liebes Corona-Tagebuch, diese nette ältere Dame war sehr inspirierend, denn wieso sollte man dem lieben Gott nicht auch mal Gutes wünschen? Mit ihren Ansichten und Einsichten hat sie mir eines der schönsten Gespräche geschenkt. Die Lichtenfelser haben wirklich eine viel zu schlechte Meinung von ihrem Marktplatz.“

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