LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Goldzähne und Freundschaft

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um echte Freundschaft und echte Goldzähne.

„Liebes Corona-Tagebuch, es gibt noch gute Menschen, und sie sind unter uns. Man sieht ihnen oft nicht an, dass sie gut sind. Und man geht nicht davon aus, dass sie ein freundliches Geheimnis haben könnten. Meist denken wir einfach nur, sie gehen zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Steuerberater und zu Weihnachten allenfalls noch in die Christmette. So wie wir anderen halt auch. Aber neulich stand ich mit einem älteren Herren in dessen Hauseingang. Draußen regnete es, und so erhielt ich Unterschlupf.

Ein Plausch ist dann ein gutes Mittel gegen Langeweile. Aber gut sollte er schon sein. Nachdem wir also ein paar Rechenmodelle der Quantenphysik, Heisenbergs Bedeutung für den Golfsport und die neuesten Trends in der Rosenzucht ausgetauscht hatten, beschlossen wir, uns sympathisch genug für ein tiefer gehendes Gespräch zu finden. Man will ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat.

Na, jedenfalls erzählte mir der Herr, dass er eine Freundschaft mit einem armen Mann in Hamburg pflege. Der Mann im Norden sei mittellos, besitze nichts, und sein Zuhause seien die Armenunterkünfte. Kennengelernt habe man sich einst in Bad Wörishofen, weil sich auch ein ganz armer Mann nach Jahren eine kleine Reise zusammensparen kann. Jedenfalls kamen der arme Mann und mein Gesprächspartner einst dort miteinander ins Gespräch und blieben sich verbunden.

In aller Regelmäßigkeit wandert ein Paket oder etwas Bargeld von Lichtenfels in die Hansestadt,und dann bekommt ein dortiger alter Mann feuchte Augen. Wie wir also so im Hausflur standen und uns dazu unterhielten, fiel dem Herren ein, dass er mir dazu ja sogar etwas Schriftliches zeigen könne. Abgesehen davon könne er mir einen Kaffee anbieten, wenngleich auch nur koffeinfrei. So tranken wir Kaffee im Hausflur, und er zeigte mir ein ihn begünstigendes Testament. Der alte Hamburger hat es aufgesetzt und den Lichtenfelser zum Universalerben eingesetzt.

Viel von Wert hat der Hamburger ja nicht, aber Goldzähne. Zwei Stück. Wenn es nach dem Willen des Hamburgers geht, wandern die irgendwann als kleines Dankeschön aus der Hansestadt nach Lichtenfels. Doch das hat noch Zeit, befindet der Herr. Eine fröhliche Tradition hat sich zwischen den beiden Männern aber schon ergeben, denn immer wenn der Lichtenfelser Herr seinen Bekannten in Hamburg anruft, begrüßt er ihn mit den Worten: ,Was freu' ich mich auf deine Zäääähne.“ Und dann müssen zwei alte Knaben furchtbar lachen.'“

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