LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Gehen wir zu dir - oder zu mir?

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Um was es heute geht? Markus Häggberg hat eine ungewöhnliche Liebe. Doch noch ist das Verhältnis zur Rothaarigen eher Lose. Noch?!

„Heute werden wir uns wiedersehen. Die Rothaarige und ich. Mit ziemlicher Sicherheit sogar. Vor Wochen lernten wir uns durch die Corona-Krise kennen. Weil ihr Corona wurscht ist, und ich wegen Corona meine Runden drehe. Abends, nächtens.

Es begann mit dem Lockdown und hat sich dann so eingebürgert. Bei der geflochtenen Ameise an der Unterführung begegneten wir uns vor Wochen und jetzt treffen wir uns dort sogar in einiger Regelmäßigkeit. Ich gebe zu, es ist ein sehr loses Verhältnis. Das hat gewiss mehr mit mir zu tun, denn es liegt diesbezüglich wohl eine Fehlbegabung bei mir vor. Ich schrieb ja schon mal von ihr und damals war alles so frisch. Jetzt ist es das natürlich immer noch, aber irgendwie habe ich den Eindruck, es wird von ihrer Seite aus drängender.

Zärtlichkeit an der geflochtenen Ameise

Wobei, wenn ich jetzt ,von ihrer Seite' schreibe, dann ist das nur so daher gesagt. Ich weiß ja im Grunde nicht mal genau, ob ,sie' eine Katze oder ein Kater ist. Man schaut da ja nicht so genau hin. Bei der Gelegenheit fällt mir auf, dass Kater seit Generationen unter dem Oberbegriff ,Katze' zusammengefasst werden. Ich frage mich, wann endlich Schluss ist mit dieser himmelschreienden Benachteiligung und sich ein Interessenverband findet, das anzuprangern. Zeit wird's.

Aber zurück zur Rothaarigen. In unserer letzten Begegnung lag schon eine gewisse Unbequemlichkeit, denn über allem schwebte beim Abschied so eine Art ,Gehen-wir-zu-mir-oder-gehen-wir-zu-dir-Frage'.

Eine gewisse Unbequemlichkeit

Ich streichelte sie und sie stupste ihr Köpfchen gegen mich. ,Du gehörst einem anderen', sagte ich zu ihr. Und sie, obwohl sie das hörte, lief mir noch lange nach. Ach ja, es ist nicht einfach mit der Liebe.“

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