LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Fast faltenfrei mit einer Überraschung

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um Falten und Korrektheit im Sprachgebrauch.

„Liebes Corona-Tagebuch, neulich gab mir ein Kumpel Einblicke in entscheidende Bereiche des Lebens jenseits der 50. Da lernte er doch glatt eine Frau kennen, die ungefähr im gleichen Alter ist. Hui, da freute er sich sogar ein bisschen, weil sie ja noch so faltenfrei wirkte. Das mit der Faltenfreiheit, liebes Corona-Tagebuch waren seine Worte, nicht meine. Ich persönlich halte die Wortwahl natürlich für völlig zynisch, verdammenswert und unangebracht. Was für ein mieser Typ mein guter Freund doch ist. Aber unsere Freundschaft muss diese Diskrepanz aushalten, Freundschaften bewähren sich ja nur in Krisen. Also weiter im Text. Die beiden trafen sich bei ihr und sie versprach, Kaffee zu machen und er versprach, Kuchen mitzubringen. So tanzte er um 18 Uhr bei ihr an, einen flotten Spruch auf den Lippen. Er ging so: ,Die nachfolgenden Mahlzeiten verschieben sich um mehrere Kalorien.'

Dann tranken sie Kaffee und bei der Gelegenheit bekam er auch mit, dass die Frau so ziemlich überall am Körper tätowiert ist. Liebes Tagebuch, im Nachhinein betrachtet hätte mein Kumpel anstelle all der Wandmalereien ein paar Falten mehr besser gefunden.

Klare Faktenlage im Sommer 2021

Eine Lehre aus alledem hat er auch schon gezogen. ,Die nächste Frau lerne ich erst wieder im Sommer 2021 kennen – dann sehe ich vorher mehr von ihr.' Liebes Corona-Tagebuch, ich kann manchmal selbst nicht verstehen, mit welch zynischen, menschenverachtenden, diskriminierenden, furchtbar inkorrekten Menschen ich Umgang pflege. Aber es macht halt oft Spaß.“