LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Falsche Abzweigung in die Damen-Toilette

Markus Häggberg schreibt ein Corona-Tagebuch. Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd sein Corona-Tagebuch. Heute geht es um das Öffnen ein falschen Türe.

„Liebes Corona-Tagebuch, neulich geriet ich in einer öffentlichen Baulichkeit aus Versehen in die Damentoilette. Erst sah alles ganz normal aus, so mit Waschbecken und Spiegeln und so. Aber dann musste ich durch eine zweite Tür und da war dann eine Kabine und noch eine, eine links, eine rechts, noch eine links und noch eine rechts. Ganze Reihen, meterweit.

Na ja, ich muss dafür ja keine Skizze malen. Du, liebes Tagebuch, kannst dir ja sicher vorstellen, wie Damentoiletten so angelegt sind. Also jedenfalls wurde auch ich so nach der fünften Kabine stutzig – und fragte mich, wo denn endlich diese Pissoirs bleiben. Aber kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, war da schon diese Wand und der Verdacht erhärtete sich, dass ich vom Gang aus womöglich die falsche Abzweigung genommen hatte.

Gibt es vielleicht Augenzeugen?

Dieser Gang, das sah ich jetzt auch, lag nun gut 15 Meter entfernt und niemand konnte mir versichern, ob sich da draußen nicht jemand aufhält, der mich beim Hinausgehen ob meines Irrtums vernichtend von oben bis unten mustern würde. Eigentlich wollte ich ja nur mal kurz Pipi machen, aber das war mir jetzt schon fast vergangen und ich musste mich sehr konzentrieren.

Ich kam mit mir überein, dass, wenn ich ja schon mal da war, ich mich auch in einer Toilettenkabine konzentrieren könnte. Nur in welcher? Die erste links war abgeschlossen, die erste rechts war … na ja, ging so. Dann wurden Stimmen vor der Tür laut und es waren Frauenstimmen. Ich wurde panisch und vor allem wahllos, und nahm die erstbeste dritte Kabine. Dann sah ich mich mit einer interessanten Frage konfrontiert: Unterliegt ein Mann, der ja ohne Vorsatz irrtümlich in eine auch nicht ganz so reine Damentoilette geriet, überhaupt einer moralischen Verpflichtung zum Hinsetzen, oder besteht diese Verpflichtung eben darum umso mehr?

Ich muss zugeben, dass ich mir nicht sicher war, ob diese Fragestellung den Kern des Problems traf, aber sie vertrieb mir die Zeit. Als ich aus der Kabine heraustreten wollte, hörte ich, wie Frauen die Toilette betraten und ich trat sofort von meiner Absicht zurück und sperrte mich ein. Irgendwann rüttelte es an meiner Tür und eine Frauenstimme sagte, dass das jetzt schon die vierte abgeschlossene Kabine sei. Dann rief jemand Hallo und ich verhielt mich mucksmäuschenstill. Als sich die Stimmen entfernten und eine Tür ins Schloss fiel, lugte ich vorsichtig aus der Kabine.

15 Meter später lugte ich auch vorsichtig in den Gang hinaus und sah, dass die Luft rein war. Dennoch kam mit mir überein, dass ich jetzt – um nicht doch noch erwischt zu werden – diese Toilette besser ohne ein Händewaschen verlassen sollte (was ich letztmalig als Schüler der 6a tat). Allerdings nahm ich mir fest vor, das Händewaschen eine Tür weiter in der Herrentoilette nachzuholen.

Vorgang nach 17 Minuten abgeschlossen

Ich betrat also das Herren-WC, trat ans Waschbecken, drehte den Hahn auf und freute mich, einen alltäglichen Vorgang nach nur 17 Minuten zu einem Ende bringen zu können. Dann sah ich, wie eine Frau hinter meinem Rücken der Tür zusteuerte. Ich stellte sie zur Rede und fragte, was sie bitteschön in einem Herren-WC zu suchen habe, und genoss meine moralische Überlegenheit.

„Die Klos im Frauen-WC waren alle so lala oder abgesperrt“, versicherte mir die Frau. Mit einem Ausdruck des Bedauerns signalisierte ich ihr, nicht allzu schlecht von ihr zu denken.

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