LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Es lebe die Verschwörungstheorie

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um Verschwörungstheorien und Unterhaltszahlungen.

„Liebes Corona-Tagebuch, am Samstag waren Demonstrationen zu Corona in Berlin. Dahinter stehen Leute, die nicht daran glauben, dass das Virus etwas bewirkt. Es ist angesichts dieser Nachricht quasi unmöglich, nicht an diesen Typen aus Lichtenfels zu denken. Seine Ex-Freundin Bea hat mir von ihm erzählt, und nach allem was ich weiß, hält er sich für einen sehr kritischen Geist. Er glaubt, dass hinter allem die Regierung steckt.

Er meint, dass die wirtschaftliche Lage so schlecht war, dass die Regierung das Virus erfunden beziehungsweise wichtigtuerisch aufgeblasen hat, um den Lockdown einzuführen und die Wirtschaft erst richtig an die Wand zu fahren. Auf diese Weise hätte sie seiner Ansicht nach nämlich eine Ausrede für das eigene Versagen.

Eine These mit gewissen Schwächen

Wie gesagt, es ist nur eine These, und sie hat gewisse Schwächen. Aber Bea hat mir versichert, dass ihr Ex fleißig an ihrer Beweiskraft arbeitet. Dazu ist er täglich stundenlang recherchierend im Internet unterwegs und tauscht sich gewissenhaft mit Menschen aus, die auch seiner Meinung sind. Weil es so viele von ihnen gibt, gibt es Bea zufolge auch viel auszutauschen.

Wenn man ihr so zuhört, dann hört man glatt die Bewunderung heraus, die sie für ihren Ex hat. Weil er Rückgrat hat, weil er sich seinen Charakter nicht von gegenteiligen Ansichten verdrehen lässt und immer auf der Höhe seiner oder ähnlicher Thesen und Theorien ist. Er verbringt sehr viel Zeit damit, auch anderen Menschen die Augen für die ganze Wahrheit zu öffnen.

Hier ist er in einem Chat, dort tippt er E-Mails, nachts um drei Uhr macht er Telefonkonferenzen und hat schon manchmal viereckige Augen.

Klar, unter all dem leidet auch seine Arbeit, aber man muss halt auch mal Opfer bringen. Und er bringt Opfer, er reibt sich auf. Er will, dass allen die Augen geöffnet werden. Im Grunde, sagt Bea, findet sie das ja klasse. Er könnte aber auch endlich mal anfangen, das Kindergeld für den gemeinsamen Sohn zu bezahlen.“

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