LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Ernüchterung beim Waldspaziergang

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen sehr, sehr ernüchternden Waldspaziergang.

„Liebes Corona-Tagebuch, wenn man mit einer Frau im Wald verschwindet, dann muss das nichts bedeuten. Es kann auch ein Spaziergang dahinter stecken. Also nix mit Erotik.

Sensibel und Durchsetzungsfähig

Obwohl, so ganz stimmte das nicht, als ich mit einer lieben Bekannten neulich durch den Wald stapfte. Denn tatsächlich sprachen wir über derlei Dinge, und es war ernüchternd. Meine Bekannte hat nämlich eine Freundin. Und wenn sie die nicht hätte, hätte ich wohl nie erfahren, was Frauen wollen. Also was Frauen wirklich wollen.

Denn während der eineinhalbstündigen Stapferei erzählte mir meine Bekannte von den Ansichten ihrer Freundin, und die sind nicht gerade bescheiden. Sensibel soll der Mann der Träume sein. Aber durchsetzungsfähig. Irgendwas in Richtung Kinderarzt mit Einzelkämpferausbildung wäre gut. Athletisch darf er auch sein. Aber gerne auch mit einem kleinen Bäuchlein. Und Humor muss er haben. Bei aller Ernsthaftigkeit.

Im Schlafzimmer darf er gerne den Sprung vom Schrank beherrschen, mit eingesprungenem Bademeister, doppeltem Salchow und Biellmannpirouette. Er sollte belesen sein, aber nicht zu sehr. Sonst bekommt man selbst womöglich Komplexe. Auch soll er richtig gut verdienen, dafür aber pünktlich um fünf Uhr daheim sein. Er darf auch gerne ein Vorleben gehabt haben. Aber nicht zu sehr.

Und er muss Glut im Blick haben. Diese Glut müsse aber ernst gemeint sein und nicht etwa auf einer Augenfehlstellung beruhen.

Glut im Blick aber nur unter vier Augen

Also nicht so wie bei Christopher Lambert, der zwar ungemein reizvoll gucken kann, letztlich aber nur einen unbehandelten Strabismus pflegt. Und was diese Glut im Blick noch betrifft, so muss er sie auch ins Restaurant mitzunehmen bereit sein. Man sitzt sich ja schließlich gegenüber.

Doch wenn er schon der Meinung ist, im Restaurant unbedingt einen Blick in die Runde werfen zu müssen, dann habe er dabei diese Glut kurzfristig zu löschen und erst wieder unter vier Augen zu entfachen. Auf gar keinen Fall aber habe man ihm das erst zu erklären, denn wenn man ihm das erst erklären muss, dann ist ohnehin alles zu spät.

Liebes Corona-Tagebuch, es kommt nicht oft vor, dass man nach Gesprächen dümmer ist als zuvor. Und mit einer Pointe, liebes Tagebuch, brauchst du heute nicht rechnen. Wie soll ich dir auch eine Pointe zu einem Gespräch liefern, auf das ich mir selbst keinen Reim machen kann.“

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