LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Erinnerung an den Opa

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um den langen Schatten des Kriegs.

„Liebes Corona-Tagebuch, er ist ein guter Zuhörer und ein hilfsbereiter Mensch jenseits der 40. Er zieht seine Schlüsse aus Gesagtem, behält sie für sich, bietet Mitmenschen Hilfen an und hat mit Gott nicht restlos gebrochen. Er lässt sich persönlich offen, ob es diesen Gott gibt oder nicht, und keinesfalls würde er bei aller eigenen Bildung, Intelligenz und Aufgeklärtheit kategorisch behaupten, es gäbe ihn nicht und er sei nur Trostpflaster und ein leerer Wahn. Das klingt erwachsen. Und doch ist der gute Zuhörer und Mitmensch auch ein Kind geblieben, ein kleiner Junge, der endlich mal seinem Opa begegnen möchte. Dem hätte er immer schon gerne Fragen gestellt und dem hätte er nur zu gerne gut zugehört. Und vielleicht, wer weiß, hätte ihm sein Opa auch einen Weg zu seinem Vater weisen können. Eines Tages in nächster Zeit, so hat er mir erzählt, möchte er nach Kiel fahren und seinen Opa endlich mal besuchen.

Es gibt dort so einen Ort, an dem sein Opa immer anzutreffen ist. Zumindest für ein fantasiebegabtes Enkelkind. Der Ort, der ist in Laboe und sein Name steht dort eingemeißelt in einer Wand. Als einer von 30.000 weiteren deutschen U-Boot-Matrosen des II. Weltkriegs.

Liebes Corona-Tagebuch, ich bin gespannt, was man sich demnächst zu sagen haben wird. Vielleicht wird der Enkel seinen Opa fragen, ob sterben sehr weh tut. Er besitzt nämlich ein Foto vom entsprechenden Tag des entsprechenden Jahres, auf dem zu sehen ist, wie eine Bombe als Volltreffer am U-Boot seines Opas explodiert, und wie das Wasser ums Schiff herum aufkocht. Näher als durch diese Fotografie, kam der Enkel an seinen Opa bislang nicht heran.

 

Rückblick

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