LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Erdkunde als Knabberspaß

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute werden ganze Länder geknabbert.

„Liebes Corona-Tagebuch, vor einem Jahr vertraute ich dir doch an, dass ich in der Lage bin, ein Tatzenkreuz aus einem Toast zu beißen, während ein Bekannter doch tatsächlich aus einer Scheibe Toast die Umrisse Frankreichs knabbern kann. Nun haben wir es wieder getan und luden noch einen weiteren Kumpel dazu. So saßen wir im Biergarten unter Linden und bestellten uns Gerichte, zu denen auch Toastbrote auf den Tellern lagen. Stefan war zuerst sehr geschickt darin, Italien aus dem Toast zu knabbern und sah schon beinahe wie der sichere Sieger aus, weil Franks Bemühungen, seinem Toast die Kontur von Polen zu geben, gänzlich misslang. Leider scheiterte er an der Westerplatte, die ihm etwas ungenau geriet. Zu diesem Zeitpunkt war Stefan, wie gesagt, auf einem guten Weg und hätte den Italienischen Stiefel schon fast hinbekommen, aber dann strauchelte er bei Apulien. Ausgerechnet bei Apulien, wo doch Friedrich der Stauffer von dort stammte. Mir persönlich gelang ein kleiner Achtungserfolg mit Dänemark, aber halt nur mit dem Teil, der die Hauptlandmasse bildet. Die Insel, auf der sich Kopenhagen befindet, die hätte ich extra knabbern müssen, aber dazu war kein Toast mehr übrig. Ich hätte es mir, ehrlich gesagt, aber auch nicht zugetraut.

Irgendwie einigten wir uns auf ein Unentschieden, weil jemand noch ein Kartenspiel dabei hatte, und die Blicke vom Nebentisch ziemlich fragend auszufallen begannen. Vermutlich, weil all die Glotzer mal gelernt haben, dass man mit Essen nicht spielt und so. Aber an unserem Tisch galt eine andere Erkenntnis: Der Mensch ist dort ganz Mensch, wo er spielt.

Liebes Corona-Tagebuch, ich hätte damals in der Schule nie gedacht, dass man mit Schiller und Konsorten mal so viel Spaß haben kann.“

 

Rückblick

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