LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Ein Schnaps für besondere Gäste

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um ein besonderes alkoholisches Experiment.

„Liebes Corona-Tagebuch, das Kochen ist ein ungemein schöpferischer Akt. Aber das Panschen auch. Wenn man beispielsweise sowohl Wodka als auch wiederverschließbare Flaschen im Haus hat, besitzt man die Grundausstattung, um seinem Forschergeist nachzugehen. Im Falle von Rudi und Jochen ist das so. Dann und wann besucht der eine nämlich den anderen, und dann und wann spricht man auch über Spirituosen.

Seriöse Männer mit Bausparvertrag und Ehering

Damit jetzt kein falsches Bild aufkommt, muss unbedingt erwähnt werden, dass beide Männer seriöse Menschen sind, Bausparverträge besitzen und es in den Hafen der Ehe geschafft haben. Mehrmals sogar. Wäre das Ansteuern von Ehehäfen eine Regatta, wäre einer von beiden vermutlich für den nächsten America's Cup qualifiziert.

Beim vergangenen Mal, als sie beieinander hockten, da kam dem Rudi in den Sinn, mit Rosmarin zu experimentieren. Und mit Wodka. Dem Jochen ging es ähnlich, auch ihm stand der Sinn nach Erkenntnis. Ihn verlangte es nämlich zu wissen, wie sich Wodka und Rosmarin in derselben Flasche wohl mit Knoblauch vertragen.

Wodka, Rosmarin und Knoblauch ergibt den „Heimatschuss“

Wie die beiden Männer ihre Kreationen so einweckten, erinnerten sie sich an den vormaligen Schnaps, den sie zusammen gebastelt hatten. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, war es weniger der Geschmack des Schnapses, auf den sie sich besinnen konnten, sondern der Name. Mit „Heimatschuss“ gelang ihnen eine den Geschmack nur zu gut beschreibende Vokabel.

Rudi und Jochen stellten die von ihnen noch unbenamten Kreationen zum Gedeihen in den Schrank. So gegen Weihnachten wollen sie gemeinsam das Ergebnis verkosten, und im Grunde wäre die Geschichte jetzt erzählt, wenn Rudis Katze nicht eine tote Maus angeschleppt hätte. Ihr Anblick ließ Jochen das Gespräch auf diesen Wurm lenken, der sich in so vielen Tequila-Flaschen findet. ,Wäre es nicht möglich …?‘, deutete Jochen an. ,Du meinst, für besondere … Gäste?‘, gab Rudi lachend zurück.

Eine Flaschenöffnung als Mausdurchlass

Bei der Gelegenheit nahmen sie spaßeshalber sowohl an der Maus als auch an der Flaschenöffnung Maß. Im Grunde ist so ein Flaschenhals ja viel, viel zu eng als Mausdurchlass, und man bekäme den Nager nur sehr schwer in die Flasche. Aber Rudi und Jochen haben sich halt ihre Kindheit bewahrt, und was soll ich sagen: Leicht machte es ihnen die Maus wirklich nicht.“

 

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