Corona-Tagebuch: Das große Schnattern

LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Ein kleines und findiges Mädchen

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um Corona und ein findiges Mädchen.

„Liebes Corona-Tagebuch, die kleine Bad Staffelsteinerin hat Corona. Ich habe es genau gesehen. Manchen Menschen sieht man das nämlich an. Die Kleine jedenfalls gehört zu diesen Menschen. Sie ist jetzt zehn Jahre alt, und weil sie noch lange im Wachstum ist, braucht sie noch lange jede Menge Futter. Aber Corona macht es ihr nicht einfach. Sie hat nämlich keinen Geschmackssinn mehr. Ob und wann der wiederkommt, ist nicht ganz gewiss. Früher aß die Kleine gerne und hat richtig reingehauen. Aber jetzt ekelt sie sich vor dem Essen, denn alles „schmeckt nach nix“ und wenn die Dinge nach nix schmecken, tritt dafür ihre Konsistenz verstärkt in den Vordergrund. Nudeln beispielsweise schmecken jetzt schleimig und labberig. Dasselbe gilt für Klöße. Bei Reis und Brot ist das anders, das schmeckt auch ekelhaft, nur gibt es dafür noch kein Wort im Sprachschatz einer Zehnjährigen.

Kartoffeln nur heiß und nichtssagend

Bei Kartoffeln ist das anders, die sind nur heiß und nichtssagend. Bei Fleisch ist es genauso, es schmeckt nach nichts. Und dafür musste dann ein Tier sterben. Aber die kleine Bad Staffelsteinerin weiß sich neuerdings zu helfen. Sie futtert jetzt mit einer Wäscheklammer auf der Nase. Nie war Pragmatismus goldiger. Liebes Corona-Tagebuch, es ist schön zu sehen, dass es in der eigenen Familie noch so etwas wie Esprit und Findigkeit gibt.“